Neuer Tarifvertrag zum 1. September

Mehr Gehalt für Apothekenangestellte in Nordrhein

20.08.2012, 12:23 Uhr


Ab dem 1. September gilt ein neuer Gehaltstarifvertrag zwischen der Apothekengewerkschaft ADEXA und der Tarifgemeinschaft der Arbeitgeber (TGL) Nordrhein. Damit wird der alte Gehaltstarif von 2010 abgelöst. Zum 1. Januar 2013 tritt außerdem ein Tarifvertrag zur leistungsorientierten Vergütung (TV LOB) in Kraft. Vor allem Berufsanfänger können sich auf höhere Gehälter freuen.

Wie ADEXA mitteilte, werden die Gehälter der Apothekenbeschäftigten in Nordrhein um 48 bis 150 Euro monatlich steigen. Die Vergütung für Pharmazeuten im Praktikum wird im ersten Halbjahr auf BAföG-Niveau (670 Euro) angehoben.

Zudem können Apothekenleiter bis zum Jahreswechsel entscheiden, ob sie den TV LOB für ihre Mitarbeiter anwenden. Ziel der leistungsorientierten Vergütung ist, die eigenverantwortliche und selbstständige Arbeit sowie die Arbeitszufriedenheit zu fördern. Auch die Kommunikation und Zusammenarbeit soll verbessert und eine positive Feedback-Kultur in der Apotheke aufgebaut bzw. unterstützt werden. Dafür ist für die Laufzeit ein jährliches Volumen von 1,5 Prozent des tariflichen Grundgehalts vereinbart worden. Bewusst wollte man Arbeitnehmern und Arbeitgebern einen gewissen Vorlauf einräumen, um sich mit dem Verfahren vertraut zu machen. Entscheidet sich ein Apothekenleiter für LOB, muss er dies individuell und schriftlich mit seinen Angestellten vereinbaren.

Bei der Gestaltung der neuen Gehaltstabellen ging es den Tarifpartnern erklärtermaßen vor allem darum, jüngere Mitarbeiter zu fördern. Es sollte ein „deutliches Signal der Wertschätzung“ sein, heißt es seitens der TGL. Gerade auch in Krisensituationen, wie sie Apotheken zurzeit erleben. „Fach- und Nachwuchskräfte sind die Basis einer jeden Apotheke. ADEXA und TGL wollen mit diesem Tarifabschluss dafür sorgen, erfahrene Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Betrieben zu halten und Nachwuchs zu motivieren, sich für die öffentliche Apotheke zu entscheiden“, erklärte die Leiterin der ADEXA-Tarifkommission, ADEXAs Zweite Vorsitzende Tanja Kratt.

„Wir sind solidarisch mit den Nöten und Bedürfnissen der Mitarbeiter, deren Leistungsbereitschaft und Motivation wir honorieren wollen“, betonte auch die Vorsitzende der TGL, Dr. Heidrun Hoch. Zugleich machte sie deutlich, dass der finanzielle Handlungsspielraum der Apothekenleiter stark eingeschränkt sei. Und so nannte auch Kratt den nun erreichten Gehaltsabschluss „ein hartes Stück Arbeit“. Die Gewerkschaft sieht durchaus, welche Sparzwänge der Gesetzgeber den Apotheken in den letzten Jahren auferlegt hat. Dennoch sei der Abschluss überfällig gewesen, so die ADEXA-Vertreterin. Mitarbeiter hätten bereits Reallohneinbußen hinnehmen müssen.

Beide Seiten appellierten erneut an die Politik, für eine angemessene Honorierung für die Apotheken zu sorgen. „Apotheken müssen wirtschaftlich auf eine bessere Basis gestellt werden, das ist für die adäquate Entlohnung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter jetzt und in den kommenden Jahren absolut notwendig“, unterstrich Kratt. Hoch sprach von einer „angemessenen Anpassung“ des Fixaufschlags als „ersten Schritt“: „Nur dann werden wir auch zukünftig eine sichere und flächendeckende Versorgung der Bevölkerung gewährleisten und so unseren gesetzlichen Auftrag erfüllen können.“


Kirsten Sucker-Sket


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