Saar-Apotheker setzen auf Unterstützung der Landespolitiker

Schwarz-Gelb wird zum Albtraum der Apotheker

Saarbrücken - 09.08.2012, 12:34 Uhr


Im Rahmen eines „Nachtdienst-Interviews“ in der Saarbrücker Keltermann-Apotheke appellierten die führenden Standesvertreter des Saarlandes an Politik, Presse und Öffentlichkeit, ihre Forderungen nach einer angemessenen Vergütung ihrer Leistungen zu unterstützen.

Die von Bundeswirtschaftminister Philipp Rösler (FDP) geplante Anhebung des Festzuschlags für verschreibungspflichtige Arzneimittel um 25 Cent oder 3 Prozent nach neun Jahren Stillstand seien „ein schlechter Scherz“, beklagte die Vorsitzende des Saarländischen Apothekervereins, Claudia Berger. Notwendig sei eine Anhebung um mindestens einen Euro, um die Kostenentwicklung der vergangenen Jahre auszugleichen. Andernfalls drohe sich der Trend zur Schließung von Apotheken weiter zu beschleunigen und Personalabbau, betonten Berger und der Präsident der Apothekerkammer des Saarlandes, Manfred Saar. Die Folge sei, dass sich die Arzneimittelversorgung vor allem im ländlichen Raum weiter verschlechtere. „Der Weg zur nächsten Apotheke wird vor allem auf dem Land immer weiter“, sagte Saar.

Die Apotheker fühlen sich nach den Worten der Vorsitzenden des Saarländischen Apothekervereins von Schwarz-Gelb in Berlin, „eigentlich der politischen Traumkonstellation der Freiberufler“, getäuscht. Berger: „So wird ein Traum zum Albtraum.“ Denn es ist FDP-Chef Philipp Rösler, der als zuständiger Bundeswirtschaftsminister nun die mickrige Erhöhung des Apotheken-Festzuschlags um 25 Cent oder drei Prozent auf 8,35 Euro nach neun Jahren Stillstand durchsetzen will.

Dieser Vorschlag werde von dem CDU-Gesundheitsexperten Jens Spahn im Gespräch mit DAZ.online auch noch verteidigt, kritisieren die Apotheker-Repräsentanten, die damit ihre Basis voll hinter sich wissen. Sie suchen nun die Unterstützung der Landespolitik. Dafür haben sie ihre Argumente nicht nur saarländischen Bundestagsabgeordneten aller Fraktionen vorgetragen, sondern auch den Landesministern Andreas Strom (Gesundheit, CDU) und Heiko Maas (Wirtschaft, SPD). Sie hoffen nun, dass Maas in seiner Stellungnahme an Rösler ihre Forderung nach einer Erhöhung des Zuschlages um einen Euro unterstützt.

Berger verwies in dem Pressegespräch, an dem neben der DAZ alle wichtigen Medien des Landes teilnahmen, darauf, dass die Apotheker einen öffentlichen Auftrag zu erfüllen hätten. Daraus ergebe sich der Anspruch der Apotheker auf eine ordnungsgemäße Vergütung. „Der Rahmen muss so gesteckt werden, dass der gesetzliche Versorgungsauftrag erfüllt werden kann“, forderte Berger. Saar rechnete vor, dass dafür die von Rösler geplante Erhöhung um 25 Cent nach neun Jahren völlig unzureichend sei.

Die Standesvertreter setzen darauf, dass mit der Mobilisierung der Öffentlichkeit, der Presse und der Politik ihr Anliegen in Berlin nicht weiter überhört wird. Sie bedauern, dass ihre Honorarentwicklung weit hinter der der Ärzte, den Ausgaben der gesetzlichen Krankenversicherung für die Pharmaindustrie und auch hinter den Zuwächsen der Verwaltungskosten der Kassen zurückbleibt. Dies führen sie darauf zurück, dass die Politik keine Rücksicht auf die Anliegen einer vergleichsweise kleinen Wähler-Klientel von 21.200 Apothekern mit 150.000 Mitarbeitern nehme.

Zwar sei angesichts des Kostendrucks auf die Apotheken mit weiteren Schließungen, Personalabbau und einer harten Tarifrunde zu rechnen. Berger: „Das Schicksal der Schlecker-Frauen droht zunehmend auch Apotheker-Frauen“. Kampf-Maßnahmen, etwa Apotheker-Streiks, können sich die Standesvertreter dennoch kaum vorstellen. „Es widerspricht vollkommen der Mentalität des Freiberuflers zu streiken und die Patienten im Stich zu lassen“, sagte Saar. Seine Kollegin Berger wäre schon froh, wenn man die Kollegen für eine zentrale öffentliche Kundgebung in Frankfurt oder gar in Berlin gewinnen könnte. Unter dem Strich sehen die Standesvertreter die Zukunft des Standes aber in der Hand der Politik. „Wenn der Gesetzgeber von uns eine hochwertige, flächendeckende Arzneimittelversorgung rund um die Uhr vorschreibt, muss er die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen auch so setzen, dass wir diesen Versorgungsauftrag erfüllen können“, forderte Berger.


Dr. Heinz Schmitz


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