Kassenärztliche Bundesvereinigung

Ärzte fordern 3,5 Milliarden Euro Honorarplus für 2013

Berlin - 08.08.2012, 12:28 Uhr


Während die Apotheker um die Aufbesserung des von Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) angekündigten Honorarzuschlags von 190 Millionen Euro ringen, fordern die Ärzte für das kommende Jahr einen satten Zuschlag von 3,5 Milliarden Euro. „Dieser Betrag ist notwendig, allein um die gestiegenen Betriebskosten und die Inflation seit 2008 auszugleichen“, sagte der KBV-Vorstandsvorsitzende Dr. Andreas Köhler.

Die KBV fordere damit einen seit 2008 angefallenen Inflationsausgleich von 3,5 Milliarden Euro, heißt es in einer KBV-Erklärung. Derzeit führen die KBV und der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherung im Bewertungsausschuss Gespräche über die Finanzierung der ambulanten Versorgung im nächsten Jahr.

Die gesetzlichen Krankenkassen wollen laut KBV im nächsten Jahr jedoch deutlich weniger Geld für die ambulante Versorgung ihrer Versicherten zur Verfügung stellen. „Das ist in der gegenwärtigen Situation absolut unverständlich. Ein rigider Sparkurs ist nicht nur verantwortungslos gegenüber den Patienten, sondern steht auch im Widerspruch zum Gesetz“, so Dr. Andreas Köhler.

Laut KBV belegt eine aktuelle Studie des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung in Deutschland zur wirtschaftlichen Lage in den Praxen, dass diese im Schnitt 92.000 Euro Überschuss erreichen. Der Honorarordnung der niedergelassenen Ärzte und Psychotherapeuten liege aber die Annahme zugrunde, dass 105.572 Euro als angemessener Praxisüberschuss gelten. „Es fehlen damit 13 Prozent an der Vergütung“, sagte Köhler und warnte: „Durch die stetig steigenden Betriebskosten und die Inflation ist es bereits zu einem Investitionsstau von zwei Milliarden Euro im Jahr 2010 gekommen.“

Der Gesetzgeber schreibe außerdem vor, dass sich die Vergütung der Vertragsärzte und -psychotherapeuten ab dem Jahr 2013 der Entwicklung der Morbidität anpassen müsse. „Je nachdem, ob die Bevölkerung mehr oder weniger unter Krankheiten leidet und dementsprechend mehr oder weniger Behandlungen bedarf, sollen auch die finanziellen Aufwendungen der Krankenkassen für die ambulante Versorgung steigen oder sinken. Tatsächlich werden in unserer Gesellschaft die Menschen immer älter und leiden immer mehr an langwierigeren und in der Behandlung teureren Erkrankungen wie Diabetes oder Demenz“, erläuterte Köhler.

Köhler wies darauf hin, dass gerade auf dem Land die Versorgung gefährdet ist. „Patienten müssen immer weitere Wege zu ihrem nächsten Arzt zurücklegen. Für junge Mediziner sind solche Forderungen der Kassen ein verheerendes Signal, womit sie umso mehr von einer Niederlassung in ländlichen Regionen zurückschrecken“, kritisierte Köhler. Von den Kassen forderte er daher, sich ihrer Verantwortung zu stellen und die notwendigen Mittel für die Versorgung der Versicherten bereitzustellen.


Lothar Klein


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