Der Samstags-Kommentar

Der Geist ist aus der 25-Cent-Flasche

Stuttgart - 04.08.2012, 08:01 Uhr


Manchmal laufen Veränderungen nur über Zerschlagung – so bitter das manchmal ist. Ob es mit der Berufsvertretung der Apothekerinnen und Apotheker, der ABDA, gleich soweit kommen muss, da mag jeder seine eigene Meinung haben. Aber an Veränderungen wird diese Organisation nicht vorbeikommen…

25 Cent Honorarerhöhung – mehr will die Bundesregierung den Apothekerinnen und Apothekern nicht zugestehen. Und das nach acht Jahren ohne jede Honorarerhöhung bei steigenden Belastungen. Die Apothekerinnen und Apotheker verstehen die Welt nicht mehr. Fühlen sich verkauft, verraten und über den Tisch gezogen. Für das mickrige Honorarangebot machen sie ihre Berufsvertretung mitverantwortlich und sie schauen neidvoll auf die Vertreter der Ärzteschaft, die in den letzten Jahren immer wieder spektakuläre Honorarverbesserungen für ihr Klientel herausgeholt haben. Was machen Montgomery und Köhler anders als Wolf und Becker? Sind die Apothekervertreter vielleicht zu nachgiebig? Haben sie kein Drohpotenzial? Oder geben sie zu schnell nach und auf? Wenn Ärzte-Chef Montgomery – ganz aktuell – mehr Geld für seine Ärzte verlangt, um einen Organhandelskandal in Zukunft zu verhindern, dann hat das schon eine besondere Qualität…

Ganz anders die Apotheker. O-Ton Lutz Engelen, Präsident der Apothekerkammer Nordrhein, bei DAZ.online, zur Apothekenhonorar-Erhöhung: „Ich glaube, dass da nicht mehr viel zu machen ist…“ Mit Verlaub, mit dieser Aussage lassen sich keine Honorarverhandlungen gewinnen. Dazu fällt mir nur ein: Wer nicht kämpft, hat schon verloren. Ein Sturm der Entrüstung mit kritischen Kommentaren ging denn auch auf den Kammerpräsidenten nieder. Wobei man allerdings auch sagen muss: Er ist bei weitem nicht für alles verantwortlich, was hier auf ihn abgeladen wurde.

Das Positive: Mit seinem Statement hat sich der Kork der 25-Cent-Flasche gelöst, jahrelang angestauter Frust bei den Apothekerinnen und Apotheker hat sich entladen; es bleibt zu hoffen, dass bei der ABDA der Geist des Nachdenkens und der Veränderung einkehrt. Viele Leserkommentare auf DAZ.online enthalten Fragen, die sich die ABDA für die Zukunft stellen muss. Da kocht immer wieder das Thema der mangelnden Transparenz auf bis hin zur Frage, ob nicht vielleicht hauptberufliche „Manager“ die Belange der Apotheker besser vertreten können als Ehrenamtliche, die noch mit ihrer eigenen Apotheken kämpfen müssen.

Was man Herrn Engelen ebenfalls positiv anrechnen muss: Er – selbst Vorsitzender des PR-Ausschusses der ABDA – zeigt sich einsichtig: In der bisherigen Öffentlichkeitsarbeit der ABDA lief nicht alles bestens, räumt er ein. Selbstkritische Töne, die von anderen ABDA-Politikern nicht zu hören sind. In der Tat, in Sachen PR muss vieles hinterfragt werden. Wenn 34 Mitgliedsorganisationen mitreden wollen, was die beste Öffentlichkeitsarbeit ist und jeder Landesfürst meint, das PR-Handwerk zu verstehen, dann kann da nichts dabei herauskommen.

Die ABDA hätte an diesem Wochenende eine Krisensitzung einberufen sollen, es ist mehr als fünf vor zwölf.


Peter Ditzel


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