Afrikanische Schlafkrankheit

Neuer Wirkstoff gegen tropische Parasiten

Würzburg - 22.07.2012, 10:08 Uhr


Würzburger Wissenschaftler haben einen neuen Wirkstoff zur Behandlung der Afrikanischen Schlafkrankheit entwickelt. In Zellkulturen hat er sich bereits als vielversprechend erwiesen. Ergebnisse aus Tierversuchen und klinischen Studien stehen aber noch aus.

Die Afrikanische Schlafkrankheit wird von dem tropischen Parasiten Trypanosoma brucei ausgelöst. Dieser einzellige, wurmartige Organismus ist in Afrika südlich der Sahara verbreitet. Auf den Menschen kann er durch den Stich einer Tsetse-Fliege übertragen werden. Die Infizierten bekommen zuerst Kopf- und Gliederschmerzen, dann stellen sich Verwirrung, Krämpfe und andere Symptome ein. Am Ende fallen sie in eine Art Wachkoma und sterben. Jedes Jahr kommt es zu 30.000 Neuinfektionen. Impfstoffe gegen den Erreger gibt es bislang nicht, und die verfügbaren Medikamente haben teils extreme Nebenwirkungen.

Pharmazeuten, Mediziner und Biologen der Universität Würzburg haben jetzt einen potenten neuen Wirkstoff gegen Trypanosoma entwickelt, ein Chinolonamid. In Zellkulturen tötet er die Erreger der Schlafkrankheit zuverlässig ab – und das schon in geringen Konzentrationen.

Dabei tritt der Wirkstoff mit dem sogenannten Kinetoplasten in Wechselwirkung, einer Struktur, die es nur in Trypanosomen gibt. Ohne den Kinetoplasten kommen die Zellteilung und damit die Vermehrung der Krankheitserreger ins Stocken.

Als nächstes muss am Tiermodell geklärt werden, ob der neue Wirkstoff auch in einem infizierten Organismus aktiv ist. Weil das Chinolonamid nur schlecht in Wasser löslich ist, muss seine Bioverfügbarkeit noch verbessert werden. Derzeit testen die Forscher, ob Veränderungen an der chemischen Struktur das Chinolonamid wasserlöslicher machen, ohne dass es an Wirksamkeit verliert. Außerdem versuchen sie, den Wirkstoff pharmazeutisch-technisch so gut zu verpacken, dass er nach einer oralen Verabreichung in ausreichender Menge ins Blut übergeht.

Literatur: Hiltensperger, G., et al.: J. Med. Chem. 2012;55(6):2538–48, Online: doi: 10.1021/jm101439s


Dr. Bettina Hellwig