Deutscher Blinden- und Sehbehindertenverband

Barrierefreie Beipackzettel sind die Ausnahme

Berlin - 20.07.2012, 14:35 Uhr


Auch blinde und sehbehinderte Menschen sollen Packungsbeilagen von Arzneimitteln lesen können. Dazu existiert eine von der Roten Liste Service GmbH gemeinsam mit dem Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverband (DBSV) entwickelte Internet-Plattform. Hier können Pharmaunternehmen diese Gebrauchsinformationen barrierefrei zur Verfügung stellen.

Das Online-Projekt PatientenInfo-Service ist seit März 2011 online. Hier kann jeder Patient – ganz gleich ob blind oder sehend – gezielt nach Medikamenten suchen. Wer den Arzneimittelnamen oder die Pharmazentralnummer eingibt, findet Arzneimittelinformationen in vier Formaten zur Verfügung gestellt, beispielsweise im Großdruck oder als Hörbuch.

Die Pharmaunternehmen, die hier ihre Packungsbeilagen veröffentlichen, können damit einer gesetzlichen Pflicht nachkommen. Seit sieben Jahren sieht das Arzneimittelgesetz vor, dass „die Packungsbeilage auf Ersuchen von Patientenorganisationen bei Arzneimitteln, die zur Anwendung bei Menschen bestimmt sind, in Formaten verfügbar ist, die für blinde und sehbehinderte Personen geeignet sind“ (§ 11 AMG Abs. 3c).

Doch noch sind es vergleichsweise weniger Arzneimittel, zu denen die Packungsbeilagen auf der Webseite gehören. Nur 20 von 350 in Deutschland ansässigen Unternehmen machen dem DBSV zufolge mit. Vorbildlich zeigen sich etwa Dr. Falk Pharma, Janssen-Cilag, Novartis, Pfizer und Roche – sie haben jeweils einen hohen Prozentsatz ihrer Gebrauchsinformationen barrierefrei eingestellt.

Angesichts der noch geringen Zahl engagierter Unternehmen fordert DBSV-Präsidentin Renate Reymann, dass der Gesetzgeber den Druck erhöht: „Wir drängen seit dem Jahr 2005 darauf, dass den Pharmaunternehmen im Arzneimittelgesetz eine Frist gesetzt wird – schließlich können Informationen auf Beipackzetteln lebenswichtig sein!“ Zuletzt wollte der Verband sein Anliegen in der 16. AMG-Novelle unterbringen. Als Stichtag für die Umsetzung hatte er den 31. Dezember 2014 vorgeschlagen. Geschehen ist allerdings nichts.


Kirsten Sucker-Sket