Potenzmittel im Öko-Test

„Richtige Standfestigkeit nur auf Rezept“

Berlin - 09.07.2012, 12:04 Uhr


Vakuumpumpen, Beckenbodentraining, Potenzmittel – die Palette der Behandlungsmöglichkeiten einer Erektionsstörung ist groß. Das Verbrauchermagazin „Öko-Test“ testete Potenzmittel. Das Ergebnis: Nur die überprüften Arzneimittel helfen wirklich.

Die Zahl derer, die an Erektionsstörungen leiden, steigt mit zunehmendem Alter. Dem Testbericht zufolge sind unter den 20- bis 30-Jährigen gut zwei Prozent betroffen – bei den 70-Jährigen ist es bereits jeder Zweite. Während man früher überwiegend davon ausging, dass die Erkrankung psychisch bedingt ist, gehen Mediziner heute davon aus, dass die meisten Erektionsstörungen organische Ursachen haben. Je nach Ursache gibt es verschiedene Alternativen zur Behandlung der Erkrankung.

Anders als die meisten Rx-Arzneimittel taugen die Präparate aus dem Sexshop laut Öko-Test „bestenfalls als Gag“. Den Testern fehlten die Nutzenbelege, sowohl bei der bilanzierten Diät Euviril, die maßgeblich aus der Aminosäure Arginin besteht, als auch bei den Nahrungsergänzungsmitteln, die vornehmlich auf Koffein, Pflanzenextrakte, Vitamine, Mineralstoffe und Rinderhodenextrakt setzen. Sie erhielten die Gesamtnoten „mangelhaft“ (Guarana Plus, Sexotic und Spanische Liebestropfen) bzw. „ungenügend“ (Eumel-Bull-Kraft NE, Okasa NE und Penisex).

Mit der Gesamtnote „sehr gut“ schnitten dagegen die Arzneimittel mit den Wirkstoffen Sildenafil (Viagra), Tadalafil (Cialis), Vardenavil (Levitra) und Alprostadil (Caverject, Muse und Viridal) ab. Die PDE-5-Inhibitoren fördern die Erektion, indem sie das Enzym, das für die Abschwellung zuständig ist, hemmen. Die Arzneimittel mit dem aus der Rinde des Yohimbebaums stammenden Wirkstoff Yohimbin (Yocon-Glenwood und Yohimbin „Spiegel“) bekamen ein „befriedigend“, weil die Studienlage widersprüchlich war. Die Wirksamkeit dieser Präparate stuften die Tester daher nur als teilweise belegt ein.


Juliane Ziegler


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