Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen

Grüne: Beratung statt Sonderangebote

Berlin - 08.05.2012, 12:31 Uhr


Im „Zukunftsplan für NRW“ – dem Wahlprogramm der nordrhein-westfälischen Grünen – sind apothekenspezifische Themen Fehlanzeige. DAZ.online wollte dennoch wissen, was die Apothekerinnen und Apotheker in Nordrhein-Westfalen von der Partei zu erwarten haben, die schon jetzt die Landesgesundheitsministerin stellt. Es zeigte sich: Die NRW-Grünen und die Bundespartei haben in einigen relevanten Punkten unterschiedliche Ansichten.

Den Arzneiversandhandel haben die Grünen auf Bundesebene nie infrage gestellt. Überraschend ablehnend äußern sich die Grünen aus NRW gegenüber DAZ.online: Die uneingeschränkte Zulassung des Versandhandels mit Arzneimitteln habe zu einer verminderten Patientensicherheit geführt. „Wir halten eine Beratung bei der Ausgabe von verschreibungspflichtigen Medikamenten für unerlässlich. Deshalb sprechen wir uns für ein Rx-Versandverbot aus“, erklären die Grünen.

Auch Pick-up-Stellen in Drogeriemärkten stehen die NRW-Politiker kritisch gegenüber. Denn Arzneimittel seien keine normale Handelsware. Zu einer bewussten und auch kritischen Nutzung von Arzneimitteln gehöre eine fachkompetente Beratung – diese könnten Pick-up-Stellen nicht gewährleisten, so die Grünen zu DAZ.online.

Die Landespartei positioniert sich überdies klar gegen die Zulassung von Kettenapotheken: Eine Lockerung des Fremd- und Mehrbesitzverbotes gefährde die flächendeckende Arzneimittelversorgung, da sich Apothekenketten bevorzugt sehr lukrative Standorte suchten. Zudem weisen die Grünen darauf hin, dass Apothekenketten nicht zu sinkenden Arzneimittelkosten führen würden. Auf Bundesebene hatten sich die Grünen – allen voran ihre gesundheitspolitische Sprecherin Biggi Bender – jahrelang für den Fremd- und Mehrbesitz stark gemacht. Vor einem Jahr zog sich Bender mangels Unterstützung aus Politik und Verbänden für diese Forderung vorerst aus der Diskussion zurück.

In NRW wollen die Grünen nun gemeinsam mit Apothekern und Apothekerinnen eine neue Rolle für die „Apotheken von morgen“ entwickeln. So könne beispielsweise der Bereich der Prävention und der Beratung weiter ausgebaut werden. Der Partei schweben Programme zur Raucherentwöhnung oder Ernährungsberatung vor. Zudem bedürfe es – gerade auch in unserer alternden Gesellschaft – einer „unabhängigen und qualitativ hochwertigen Beratung statt gesundheitsgefährdender Sonderangebote“, betont die Partei gegenüber DAZ.online. Außerdem müssten die wohnortnahe Versorgung und die Betreuung chronisch kranker Menschen verbessert werden.

Für die Grünen stellt sich überdies die Frage, „welche Rolle die Apotheken gerade für ältere Menschen zum Beispiel durch individuelle Verblisterung oder bei der standardisierten Warnung vor Kontraindikationen (…) bei ,ihren‘ Patientinnen und Patienten übernehmen wollen.“

Am kommenden Sonntag finden in Nordrhein-Westfalen vorgezogene Landtagswahlen statt. Nach jüngsten Umfragen könnte es diesmal eine Mehrheit für eine rot-grüne Koalition geben – und damit bleibt es möglicherweise bei einer grünen Gesundheitspolitik im bevölkerungsreichsten Bundesland.

Lesen Sie morgen, was die Piraten in NRW über Apotheken denken.

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