Faktor-Xa-Inhibitor

Rivaroxaban zur Sekundärprophylaxe nach Herzinfarkt

Mannheim - 26.04.2012, 10:39 Uhr


Das Risiko von Infarktpatienten, einen weiteren Infarkt zu erleiden oder im Verlauf der nächsten Jahre zu versterben, lässt sich durch verbesserte Hemmung der Blutgerinnung reduzieren. Neue Daten zeigen, dass hier zusätzlich zum bisherigen Standard der neue Faktor-Xa-Inhibitor Rivaroxaban das Risiko senkt.

Die Daten einer großen, multizentrischen Studie (ATLAS ACS 2-TIMI 51) mit mehr als 15.000 Teilnehmern zeigen, dass der direkte Faktor-Xa-Inhibitor Rivaroxaban kombiniert mit einer thrombozytenaggregationshemmenden Standardtherapie (ASS plus Thienopyridin) die kardiovaskuläre Sterblichkeit sowie das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall bei Patienten mit einem akuten Koronarsyndrom signifikant stärker senken kann als die Thrombozytenaggregationshemmung allein. Die Patienten erhielten zusätzlich zu ihrer thrombozytenaggregationshemmenden Standardbehandlung entweder Rivaroxaban (2 x 5 mg pro Tag) oder Placebo. Rivaroxaban wird oral in einer fixen Dosierung ohne Monitoring des Gerinnungsstatus verabreicht.

Bei den Patienten der Rivaroxaban-Gruppe war im Vergleich zu Placebo vor allem das Risiko eines erneuten Myokardinfarktes signifikant reduziert; ebenso die kardiovaskuläre Todesrate (4,2 % vs. 2,5 %) und die Gesamttodesrate (4,5 % vs. 2,7 %). Dabei ging die Behandlung mit Rivaroxaban nicht mit einem erhöhten Risiko für tödliche Blutungen einher.

Statistisch gesehen kann durch die Behandlung von 56 Patienten mit Rivaroxaban zusätzlich zur thrombozytenaggregationshemmenden Standardbehandlung ein Todesfall verhindert werden.

Bisher ist Rivaroxaban in einer Dosis von täglich 10 mg zur Prophylaxe venöser Thromboembolien bei erwachsenen Patienten nach elektiven (geplanten) Hüft- oder Kniegelenkersatz-Operationen indiziert. Am 4. November 2011 hat es in den USA außerdem die Zulassung für die Prävention von Schlaganfällen bei Patienten mit Vorhofflimmern erhalten. Im Januar 2012 hat die Firma Bayer bei der US-amerikanischen Gesundheitsbehörde FDA die Zulassung von Rivaroxaban in Kombination mit einer Standard-Thrombozytenaggregationshemmung zur Sekundärprävention nach einem akuten Koronarsyndrom beantragt.

Literatur: Mega, J. L., et al.: ATLAS ACS 2 -TIMI 51. N. Engl. J. Med. 2012;366(1):9-19.


Dr. Bettina Hellwig


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