Quartalsbilanz

Sandoz trübt Novartis-Bilanz

Basel - 24.04.2012, 17:06 Uhr


Starke Umsatzverluste bei der Generikatochter Sandoz, Produktionsprobleme in den USA und die zunehmende Konkurrenz für bisherige Kassenschlager haben dem Schweizer Pharmakonzern Novartis den Jahresauftakt verhagelt. Während das Unternehmen im Geschäft mit neuen, patentgeschützten Arzneimitteln sowie in der Augenmedizinsparte Alcon operativ mehr verdiente als im Vorjahresquartal, brach das Ergebnis im Generika- und OTC-Segment ein.

Unterm Strich sank der Gewinn in den ersten drei Monaten um 18 Prozent auf 2,33 Milliarden US-Dollar (1,77 Mrd. Euro), teilte Novartis am Dienstag in Basel mit. Der Nettoumsatz ging um 2 Prozent auf 13,7 Milliarden US-Dollar (10,4 Mrd. Euro) zurück.

Bergauf ging es vor allem für die neu eingeführten Produkte. Insgesamt steigerte die Division Pharmaceuticals ihren Nettoumsatz um 2 Prozent auf 7,8 Milliarden US-Dollar (5,9 Mrd. Euro). Die seit 2007 eingeführten Präparate erwirtschafteten dabei einen Nettoumsatz von 2,6 Milliarden US-Dollar (2 Mrd. Euro) und verzeichneten damit einen Zuwachs um 33 Prozent. Darunter finden sich beispielsweise Lucentis, Tasigna, Afinitor sowie Gilenya. Ihr Anteil am Divisionsumsatz stieg gegenüber dem Vorjahreszeitraum von 26 Prozent auf 33 Prozent. Die Augenheil-Sparte Alcon steigerte ihren Nettoumsatz um 5 Prozent auf 2,5 Milliarden US-Dollar (1,9 Mrd. Euro).

Bei Sandoz drückte vor allem der starke Preiswettkampf auf Umsatz und Gewinn. Der Nettoumsatz sank im Vergleich zum Vorjahresquartal um 10 Prozent auf 2,1 Milliarden US-Dollar (1,6 Mrd. Euro). Ein Preisverfall von acht Prozentpunkten sei vor allem auf die stärkere Konkurrenz für Enoxaparin zurückzuführen, so das Unternehmen. Die Volumen blieben unverändert, da Rückgänge in den USA und in Deutschland durch zweistellige Zuwächse in Westeuropa, Asien und bei den Biosimilars wettgemacht worden seien. Der Nettoumsatz von Consumer Health, das das OTC- und Tierazneimittel-Geschäft umfasst, ging im ersten Quartal 2012 um 20 Prozent auf 932 Millionen US-Dollar (708 Mio. Euro) zurück. Ursache dafür sei die Aussetzung der Produktion am US-Standort in Lincoln.

Der Nettoumsatz mit Diagnostika und Impfstoffen ging um 19 Prozent auf 299 Millionen US-Dollar (227 Mio. Euro) zurück. Dieser Rückgang sei hauptsächlich auf das starke erste Quartal 2011 zurückzuführen, in dem umfangreiche Auslieferungen pädiatrischer Impfstoffe erfolgten, so Novartis.

Konzernchef Joseph Jimenez bestätigte die Erwartungen für das laufende Geschäftsjahr: „Unser Ausblick für 2012 bleibt unverändert.“ Wegen auslaufender Patente für wichtige Kassenschlager wie den Blutdrucksenker Diovan soll der Umsatz auf dem Niveau des Vorjahres verharren. Die Ertragsentwicklung werde dahinter zurückbleiben.

2011 hatte der größte europäische Pharmakonzern seinen Umsatz noch um 16 Prozent gesteigert, was auch durch die Übernahme von Alcon bedingt war. Nun will Jimenez weiter zukaufen: Novartis brauche derzeit keine großen Akquisitionen, um zu wachsen. Zukäufe im Umfang von 1 bis 3 Milliarden US-Dollar seien allerdings weiterhin möglich.

Mit Stellenstreichungen und weiteren Kosteneinsparungen will Novartis den Erlösrückgang von Diovan sowie die jüngsten Entwicklungsrückschläge auffangen. In den USA wird das Pharmageschäft neu aufgestellt und weitere 1960 Stellen gestrichen. Bereits mit Veröffentlichung der Neunmonatszahlen hatte das Management die Streichung von 2.000 Stellen – hauptsächlich in den USA und in der Schweiz – angekündigt.


Kirsten Sucker-Sket/dpa-AFX


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