Celesio Bilanz-PK

Pinger: DocMorris wird verkauft

Stuttgart - 27.03.2012, 09:25 Uhr


Der Vorstandsvorsitzende von Celesio, Markus Pinger, hat zu Beginn seiner ersten Bilanzpressekonferenz die Verkaufsabsicht für die Versandapotheke DocMorris bestätigt. „Mit der Einleitung des Verkaufsprozesses für DocMorris haben wir jetzt weitere Portfolioentscheidungen für unsere Neuausrichtung getroffen", teilte Celesio-Chef Pinger soeben mit.

Celesio habe in den letzten Wochen alle Optionen für die DocMorris-Versandapotheke geprüft. Eine Integration in das angestrebte neue EU-weite Apothekenkooperationsnetz von Celesio sei nicht realisierbar gewesen. Pinger: „Daher haben wir uns entschlossen, den Konflikt klar und geradlinig zu lösen. Auch für DocMorris haben wir den Verkaufsprozess eingeleitet.“

Der Kauf von DocMorris im Jahr 2007 habe wegen der von DocMorris gewährten 15 Euro Rx-Boni einen Konflikt mit der Apothekerschaft ausgelöst, der Celesio Marktanteile und Gewinn gekostet habe. Daher erfolge jetzt der klare Schnitt. Pinger: "Wir wollen völlig unbelastet in den Aufbau unserer EU-weiten Apothekenkooperation gehen.“ 

Der Verkauf, der möglichst noch in diesem Jahr über die Bühne gehen soll, könnte Celesio einen dreistelligen Millionenbetrag bringen. DocMorris erzielt im Versandhandel einen Umsatz von gut 300 Millionen Euro und gilt laut FAZ als durchaus rentabel. 2007 hatte Celesio knapp 200 Millionen Euro für DocMorris bezahlt. Grundsätzlich könnte DocMorris für Finanzinvestoren wie auch für strategische Investoren interessant sein. Allerdings hat die Absicht der Bundesregierung, ausländische Rx-Boni zu verbieten, die Suche nach Investoren für DocMorris nicht erleichtert.

Eigentlich läuft ein Verkauf der DocMorris-Versandapotheke der Absicht von Pinger entgegen, das Kriegsbeil mit den Apothekern zu begraben. Ein Investor würde DocMorris offensiv entwickeln. Darauf hatte Celesio zuletzt verzichtet. Damit wäre die Apothekenlandschaft in Deutschland nicht befriedet.

Marktbeobachter schließen daher nicht aus, dass es sich um ein "taktisches Verkaufsangebot" handelt. Sollte sich nach einer Übergangszeit kein Investor finden, könnte Pinger die DocMorris-Versandapotheke schließen, ohne sich Schadensersatzansprüchen seiner Aktionäre auszusetzen. Der Wert der DocMorris-Versandapotheke müsste in der Celesio-Bilanz abgeschrieben werden. 


Lothar Klein


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