Statistisches Bundesamt

Mehr Todesfälle durch Behandlungsfehler

Berlin - 16.02.2012, 15:57 Uhr


Die offizielle Zahl der Todesfälle durch ärztliche Behandlungsfehler oder mangelhafte Medizinprodukte stieg im Jahr 2010 auf 1.634. Das sind 445 Fälle mehr als noch im Jahr zuvor (1.189). Diese Zahlen nannte die Bundesregierung unter Bezugnahme auf Angaben des Statistischen Bundesamts.

Der größte Anteil der gemeldeten Todesfälle beruht auf Zwischenfällen bei chirurgischen Eingriffen und medizinischer Behandlung im Allgemeinen (944) und solcher chirurgischer Eingriffe, die wegen einer abnormen Reaktion eines Patienten oder einer späteren Komplikation durchgeführt wurden (597). Der Patientenbeauftragte der Bundesregierung, Wolfgang Zöller (CSU) führt den starken Anstieg der Zahl auch auf eine verbesserte Dokumentations-Praxis zurück. „Immer mehr Ärzte und Krankenhäuser gehen zu Fehlermeldesystemen über. Und damit werden natürlich auch viel mehr Fehler erfasst“, sagte Zöller gegenüber der „Saarbrücker Zeitung“.

Für Klein-Schmeink stellen diese Zahlen lediglich „die Spitze des Eisbergs“ dar, weil sie auf den offiziell gemeldeten Angaben der behandelnden Einrichtungen beruhen. Es sei davon auszugehen, dass die tatsächlichen Zwischenfälle mit Todesfolge weitaus höher seien: „Patientenverbände nennen zumeist eine Zahl von 17.000.“ Um den „eklatanten Datenmangel“ in diesem Bereich entgegenzuwirken, fordert die Grünen-Abgeordnete einen transparenteren Umgang der behandelnden Einrichtungen mit Fehlern. „Es geht nicht darum, Ärzte und Krankenhäuser an den Pranger zu stellen, sondern es muss darum gehen, eine Kultur der Fehlervermeidung und des Risikomanagements in der Breite zu etablieren und so bestehende Ansätze auszubauen.“ 

Eine solche statistisch korrekte Aufarbeitung der Todesursachenstatistik begrüßt der Präsident der Bundesärztekammer, Dr. Frank Ulrich Montgomery, zwar grundsätzlich, denn „jeder Mensch, der durch den Fehler eines Arztes oder eines anderen stirbt, ist einer zu viel“. Dazu gehöre aber auch, die Ursachen der Todesfälle in ihrer schuldhaften Abhängigkeit korrekt aufzuarbeiten. So seien mangelnde Desinfektion oder Hygienemängel oft Struktur- und keine Arztfehler. Er verweist außerdem darauf, dass die von den Gutachterkommissionen und Schlichtungsstellen der Ärztekammern erhobenen Statistiken auf Grundlage meist mehrerer unabhängiger Expertengutachten keine signifikanten Änderungen aufwiesen. 

Der geschäftsführende Vorstand der Patientenschutzorganisation Deutsche Hospiz Stiftung, Eugen Brysch, sieht im Anstieg der Todesfallzahlen die Bestätigung dafür, dass die Ärzte in Deutschland „eine Kultur des Hinschauens leben müssen“. Auch er geht von einer höheren Dunkelziffer aus. Derzeit sei man weit davon entfernt, mit diesen Behandlungsfehlern transparent umzugehen. „Aber Offenheit ist der erste Schritt diesem Fehlverhalten entgegenzuwirken“, so Brysch. Die Patientenschutzorganisation ruft deshalb den Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr, sowie Ärzte, Krankenhäuser und Pflegeheime auf, die Patientensicherheit zur Tagesordnung der Politik zu machen.


Juliane Ziegler


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