Dermatologie

Medizinisches Plasma gegen Hautkrankheiten

Göttingen - 16.02.2012, 09:55 Uhr


Im Gemeinschaftsprojekt „Grundlegende Untersuchungen zur Wirkung von Plasma auf kutane Lipidsysteme“ wollen Wissenschaftler der Region Südniedersachsen die Wirkung von physikalischem Plasma auf Hautkrankheiten erforschen.

Das berichtete jetzt die Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst (HAWK), Fachhochschule Hildesheim/Holzminden/Göttingen.

In der Plasma-Medizin wird physikalisches Plasma, ein ionisiertes Gas, eingesetzt. Dieses Plasma entsteht, wenn einem Gasgemisch (elektrische) Energie zugeführt wird. Es wird auch als vierter Aggregatzustand bezeichnet und kommt in der Natur beispielsweise in Gewitterblitzen vor. Plasma kann mit geringer elektrischer Energie erzeugt werden, hinterlässt keinen Abfall und wirkt positiv auf Oberflächen wie Holz, Metall, Glas – und auch menschliche Haut. Industrieplasma ist durch die Zufuhr von Energie genauso heiß wie Wasserdampf kurz nach dem Übergang in den Aggregatzustand Gas.

Dank neuer Technologien kann Plasma nun auch mit einer kalten Temperatur von circa 40 Grad Celsius mit geringem Stromfluss erzeugt werden, so dass Behandelte weder unter der Temperatur noch unter einem elektrischen Schlag leiden. Der Patient/die Patientin fühlt nicht einmal, dass das Plasma die Haut berührt.

Göttinger Mediziner haben herausgefunden, dass Plasma Schmerzen und Juckreiz lindert, die Wundheilung anregt und beschleunigt und selbst multiresistente Keime angreift. Nun wollen sie erforschen, wie genau Plasma auf den Lipidfilm der Haut wirkt, welche chemischen Prozesse ablaufen und welche Faktoren ausschlaggebend sind. 

Verglichen werden gesunde und kranke, menschliche und nicht-menschliche Zellen im Rahmen der Plasmabehandlung. Erste Prototypen für die medizinische Plasmabehandlung gibt es bereits. In der Kosmetik (Nagelpflege) werden schon Plasmaprodukte vertrieben. Wenn nun auch das theoretische Fundament für die Wirkungsweisen der neuen Technologien bekannt wird, kann in näherer Zukunft mit einer unschädlichen, schmerzfreien Behandlungsmethode gerechnet werden.

Das Vorhaben wird mit knapp 400.000 Euro von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert. Projektpartner sind die HAWK Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst, Fachhochschule Hildesheim/Holzminden/Göttingen, die Hautklinik der Universitätsmedizin Göttingen und die TU Clausthal. 


Dr. Bettina Hellwig