Streit um Grippemittel

Tamiflu® - mehr als Neuraminidasehemmung?

25.01.2012, 12:50 Uhr


Die Versuche der Cochrane-Wissenschaftler um Tom Jefferson, Licht ins Datendickicht von Oseltamivir (Tamiflu®) zu bringen, haben nicht nur Fragen zur Wirksamkeit, sondern auch zum Wirkungsmechanismus aufgeworfen. Neben der Neuraminidasehemmung,

In der aktuellen Ausgabe der Deutschen Apotheker Zeitung werden die vielen offenen Fragen näher beleuchtet, die die Cochrane-Autoren in ihrem neuen Review zur Influenza-Therapie und Prophylaxe mit Oseltamivir aufgeworfen haben. Wie berichtet äußern die Autoren massive Zweifel an der Wirksamkeit und dem Sicherheitsprofil von Oseltamivir. Vorwürfe wie Datenmanipulation und Datenunterdrückung durch die Herstellerfirma stehen im Raum. Seit Jahren versuchen die Cochrane-Wissenschaftler unter anderem die vollständigen Daten der Studien zu erhalten, die die Überlegenheit von Oseltamivir gegenüber Placebo gezeigt haben sollen. Es handelt sich dabei um 8 Studien, die 2003 in einer Metaanalyse von Laurent Kaiser aufgeführt wurden, die aber entweder gar nicht oder nur als Abstract veröffentlicht sind. Die Wissenschaftler werfen der Herstellerfirma Roche vor, diese und weitere Daten gezielt zurückzuhalten. Roche erklärt dagegen, den Cochrane-Autoren unter anderem Zugang zu 3200 Seiten mit detaillierten Studiendaten gewährt zu haben,  auf denen Antworten auf die offenen Fragen zu finden gewesen sein sollen. Dass auf diesen Seiten alle Daten beispielsweise der acht Studien aus der Metaanalyse von Kaiser zu finden sind, wollte oder konnte Roche gegenüber der DAZ auch auf Nachfrage nicht bestätigen. Angesprochen auf die Hypothese eines zentralen Wirkungsmechanismus  erklärte Roche, dass diese nicht unterstützt werden könne. Zur Hypothese, dass Oseltamivir die Antikörperbildung gegen Influenza-Viren beeinflusst und damit in Studien zur Wirksamkeit zu verzerrten Ergebnissen geführt haben könnte, führte Roche Studien an, die keinen Einfluss einer Oseltamivir-Behandlung auf die normale humorale Antikörperreaktion gezeigt hätten. Die Cochrane-Autoren halten es jedoch für notwendig, solche Fragen von unabhängigen Wissenschaftlern untersuchen zu lassen.

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Dr. Doris Uhl


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