Stammzellforschung

Mäusespermien aus der Petrischale

Münster - 14.01.2012, 10:00 Uhr


Wissenschaftlern aus Deutschland und Israel ist es gelungen, in der Petrischale Spermien aus Stammzellen von Mäusehoden zu gewinnen. Sie haben unreifes Hodengewebe entnommen und in einem Nährmedium kultiviert. Die Spermatogenese, also die Ausdifferenzierung der Spermien, fand dann außerhalb des Körpers statt.

Ob sich in einigen Jahren auch aus menschlichen Stammzellen Spermien gewinnen lassen, ist noch unklar; für unfruchtbare Männer wäre das ein Lichtblick.
Forscher des CeRA an der Medizinischen Fakultät der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster (WWU) und der israelischen Ben-Gurion-Universität des Negev in Be'er Scheva arbeiten bereits seit rund zehn Jahren in mehreren Arbeitsgruppen zusammen – auch bei der Studie, die von der deutsch-israelischen Stiftung für wissenschaftliche Forschung und Entwicklung gefördert worden ist.

Die Forscher kultivierten Stammzellen aus den Hoden von jungen, noch unfruchtbaren Mäusen in einem mit dem Geliermittel Agar-Agar versetzten Nährmedium – und zwar nicht wie üblich auf flachem Nährboden, sondern in einem dreidimensionalen Medium. Das Gewebe rekonstruierte sich so, dass die Umgebungsbedingungen denen im Hoden sehr nahe kamen. Bis sich Spermien gebildet hatten, dauerte es mindestens 30 Tage. Das entspricht der Zeit, die auch im Mäusekörper benötigt wird; beim Menschen dauert die Spermatogenese etwa 64 Tage. Ob die Spermien den natürlich gebildeten Spermien entsprechen, ist allerdings nicht klar. Bisher wurden mit den Spermien keine Nachkommen gezeugt.

Falls sich das Verfahren übertragen lässt und alle Hürden genommen werden, kann die Medizin in Zukunft einigen unfruchtbaren Männern zu Spermien für die künstliche Befruchtung verhelfen – und auch Jungen helfen, die sich bereits vor der Pubertät aggressiven Therapien unterziehen müssen und deshalb kein Sperma für spätere künstliche Befruchtung einfrieren lassen können. Davor müssen aber noch weitere Versuche durchgeführt werden; bis zur Praxisanwendung würde es wahrscheinlich rund fünf bis zehn Jahre dauern.

Literatur: Abu Elhija, M., et al.: Asian J. Androl. 2011, Online: doi:10.1038/aja.2011.112


Dr. Bettina Hellwig