Knochen- und Weichteiltumoren

Therapeutische T-Zellen

München - 05.12.2011, 11:10 Uhr


Wissenschaftler der TU München sind bei der Behandlung von bösartigen Knochen- und Weichteilsarkomen einen wichtigen Schritt vorangekommen: Ihnen ist es gelungen, gesunden Spendern T-Zellen zu entnehmen und zu vermehren.

Bei Knochen- und Weichteilsarkomen liegt die Langzeitüberlebensrate bisher bei weniger als 20 Prozent. Bei Kindern und Jugendlichen können aufgrund der starken Nebenwirkungen Dosis und Länge der Chemotherapie nicht weiter gesteigert werden.

Die jetzt isolierten T-Zellen können eine spezifische Immunreaktion auslösen, die sich gegen Tumorzellen des Ewing-Sarkoms richtet. Die Forscher konnten in einem präklinischen Modell zeigen, dass die Tumore dadurch abgetötet werden. Ziel ist es nun, die T-Zellen therapeutisch gegen die Tumorzellen einzusetzen.

Im nächsten Schritt prüfen die Forscher in der Kinderklinik die Qualität dieser T-Zellen bei der Bekämpfung des Tumorwachstums. In klinischen Studien soll anschließend untersucht werden, ob sich der Einsatz von T-Zellen positiv auf den Therapieerfolg auswirkt und wie dadurch die bisher notwendige hochdosierte Chemotherapie mit nachfolgender Stammzelltransplantation abgemildert werden kann.

In einem zweiten Forschungsansatz konnten die Wissenschaftler einen spezifischen Rezeptor identifizieren, der die Diagnostik bei Ewing-Sarkomen verbessern kann. Dieser Marker kommt bei Sarkomen nur auf Ewing-Tumoren vor und ist nach bisherigem Kenntnisstand wesentlich für die Invasivität und das Metastasierungsverhalten dieser Tumoren. Bei gesunden Menschen ist der Rezeptor nur in wenigen Geweben schwach zu beobachten. Da er auf der Zelloberfläche von Tumorzellen sehr stark auftritt, betrachten die Wissenschaftler ihn als geeigneten Kandidaten für die Entwicklung neuer individualisierter Therapieansätze, bei denen beispielsweise Antikörper an den Rezeptor „andocken“ und das Wachstum des Tumors hemmen. Die Forscher erhoffen sich, dass sich der Mechanismus auch auf andere Tumoren übertragen lässt.

Literatur: Thiel, U., et al: T Cells. Brit J Cancer 2011;104(6):948-56 und Grünewald, T. G., et al.: Mol. Cancer Res. 2011, Online-Vorabveröffentlichung November 2011.


Dr. Bettina Hellwig


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