Verhaltensforschung

Betablocker verhindern Stressreaktionen

Bochum - 29.11.2011, 11:27 Uhr


Gestresste Personen verfallen in Gewohnheiten und verhalten sich nicht zielgerichtet. Stoppt man die Wirkung von Noradrenalin durch Betablocker, bleibt der Stresseffekt aus, wie jetzt Bochumer Wissenschaftler zeigten.

Bereits in einer vorangegangenen Studie fanden die Bochumer Forscher heraus, dass Stress das zielgerichtete Verhalten während einer Lernaufgabe beeinträchtigt. Nun erforschten sie, wie diese negativen Effekte aufgehoben werden können. Dazu setzten sie die Hälfte der Teilnehmer einer stressigen Situation aus. Ein Teil der gestressten Probanden erhielt zuvor den Betablocker Propranolol, die übrigen Probanden nahmen ein Placebo. Dann lernten alle Probanden, dass sie Kakao oder Orangensaft als Belohnung erhielten, wenn sie am Computer bestimmte Symbole anklickten.

Nach dieser Lernphase durften die Teilnehmer entweder so viele Orangen oder so viel Schokopudding essen, wie sie wollten. Das schwächt den Wert der Belohnung. Wer Schokopudding isst, für den verliert Kakao an Reiz. Wer mit Orangen gesättigt ist, hat weniger Verlangen nach Orangensaft. Nicht gestresste Probanden, die Schokopudding gegessen hatten, klickten in den anschließenden Versuchsdurchgängen seltener die Symbole an, die zu einer Belohnung mit Kakao führten. Nicht gestresste Teilnehmer, die zuvor Orangen gegessen hatten, entschieden sich seltener für Symbole, die mit Orangensaft assoziiert waren.

Ganz anders verhielten sich gestresste Probanden, die eine Placebo-Tablette verabreicht bekommen hatten. Unabhängig davon, was sie gegessen hatten, wählten sie weiterhin sowohl mit Orangensaft als auch mit Kakao assoziierte Symbole. Sie blieben also bei ihren Gewohnheiten. Gestresste Probanden in der Betablocker-Gruppe handelten hingegen genauso zielgerichtet wie die Probanden, die keinen Stress erfahren hatten. Waren sie beispielsweise mit Schokopudding gesättigt, wählten sie seltener die Symbole, die zu Kakaobelohnung führten. Dieses Ergebnis belegt, dass Noradrenalin den Stresseffekt vermittelt und dass Betablocker die negativen Konsequenzen von Stress abwenden können.

Die Studie wurde durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft und das Rektoratsprogramm der Ruhr Universität Bochum gefördert.

Literatur: Schwabe, L., et al.: J. Neurosci. 2011, Online: doi: 10.1523/JNEUROSCI.3304-11.2011.


Dr. Bettina Hellwig


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