Vernachlässigte Krankheiten

Mehr Anreize für unabhängige Forschung

28.11.2011, 11:57 Uhr


Mehr Forschung im Bereich der „vernachlässigten Krankheiten“ – das fordern die BUKO Pharma-Kampagne, Ärzte ohne Grenzen, der Evangelische Entwicklungsdienst (EED) und die Universities Allied for Essential Medicines Germany. Die Organisationen machen Vorschläge, welche Anreize hier helfen könnten.

„Es geht nicht an, dass bis heute die Bekämpfung von Krankheiten, die ärmere Menschen besonders häufig treffen, vernachlässigt wird“, kritisierte Dr. Christian Wagner-Ahlfs von der BUKO Pharma-Kampagne angesichts der Ergebnisse der von den vier Organisationen herausgegebenen neuen Broschüre „Gesundheitsforschung für vernachlässigte Krankheiten: Plädoyer für eine nachhaltige öffentliche Förderung“. Die Broschüre zeigt auf, dass pro Jahr noch immer 14 Millionen Menschen weltweit an Infektionskrankheiten sterben – die meisten in ärmeren Ländern. Durch einen verbesserten Zugang zu unent­behrlichen Medikamenten, Impfstoffen, Diagnostika und Präventionsmaßnahmen ließen sich nach Auffassung der Organisationen weltweit viele Todesfälle verhindern.

Für eine Reihe von Krankheiten existiere jedoch überhaupt keine oder zumindest keine gute Behandlungsmöglichkeit. So sterben der Broschüre zufolge jährlich 1,5 Millionen Menschen an Tuberkulose (TB), weil die Krankheit zu spät diagnostiziert wird, weil die zur Verfügung stehenden Medikamente umständlich und langwierig anzuwenden sind oder weil sie aufgrund der Bildung von Resistenzen nicht mehr wirken. Da TB sie in den Industrieländern inzwischen selten geworden ist, gebe es jedoch kein kommerzielles Interesse an ihrer Erforschung – dabei werden neue, schneller wirksame und leichter einzunehmende Medikamente in Entwicklungs- und Schwellenländern dringend gebraucht.

Der Anreiz der Pharmaindustrie, neue Medikamente zu entwickeln, liege momentan darin, Patent-basierte Monopole für die Medikamente zu erhalten und die Preise selbst festsetzen zu können. „Da die vernachlässigten Krankheiten hauptsächlich in Entwicklungs- und Schwellenländern auftreten, gibt es für Arzneimittel zu ihrer Behandlung keinen kommerziell interessanten Markt“, erklärt Sonja Weinreich vom EED. Die entscheidende Schwäche des aktuellen Modells sei daher, dass es zu einer mangelnden Versorgung von ökonomisch schwachen Ländern und Bevölkerungsgruppen führe.

Auch die öffentliche Forschungsförderung kann nach Ansicht der Organisationen diese Lücke kaum füllen. Die Regierung sollte daher die Mittel für Forschungsförderung weiter erhöhen und dafür auch neue Wege einschlagen, beispielsweise Geldprämien als Anreiz für Forschung und Entwicklung. Um mehr Geld für unabhängige öffentliche Forschung zu bekommen, wäre auch eine neue Steuer denkbar, so die Organisationen, beispielsweise eine Abgabe auf Pharmawerbung.


Juliane Ziegler