Blutkrebs

Neuer Mechanismus der Entstehung entdeckt

Mannheim - 26.11.2011, 10:00 Uhr


Hämatologen der Universitätsmedizin Mannheim haben in einem internationalen Kooperationsprojekt zum Myelodysplastischen Syndrom (MDS) neue Erkenntnisse über einen bislang unbekannten Entstehungsmechanismus dieser bösartigen Erkrankung des Knochenmarks gewonnen.

Als Myelodysplastisches Syndrom wird eine Gruppe von Erkrankungen zusammengefasst, bei denen der Reifungsprozess bei der Blutbildung nachhaltig gestört ist. Ausgehend von genetisch veränderten Stammzellen des Knochenmarks bildet der Körper funktionsuntüchtige Blutzellen. Die Erkrankungen sind selten, treten aber mit zunehmendem Lebensalter häufiger auf.

Durch die Bestimmung der kompletten genetischen Information aller bekannten Gene von insgesamt 29 Patienten mit Myelodysplastischem Syndrom entdeckten die Wissenschaftler gehäuft genetische Veränderungen, die einen Mechanismus der Proteinsynthese betreffen, die so genannte mRNA-Splicing-Maschinerie. Die mRNA ist eine Abschrift der DNA und dient als Vorlage für die Synthese von Proteinen. Bevor dieser Prozess, die Translation, eingeleitet wird, müssen aus den initial transkribierten RNA-Molekülen nicht-kodierende Sequenzen, die Introns, entfernt werden. Dieser Vorgang wird als Splicing bezeichnet.

Die meisten der neu identifizierten Mutationen betreffen Gene, die eine Funktion beim Splicen von RNA haben. Durch die Beeinträchtigung der Funktion dieser Gene ist der normale Splice-Vorgang in den Stammzellen des blutbildenden Knochenmarks gestört, was bei diesen Patienten die Hämatopoese beeinträchtigt.

Die Mannheimer Wissenschaftler untersuchten den Splicing Pathway betreffende genetische Veränderungen. Diese Mutationen sind signifikant häufig und sehr spezifisch in den Tumoren des Knochenmarks zu finden. Die Ergebnisse liefern erstmals einen Hinweis darauf, dass genetische Veränderungen der Splicing-Maschinerie eine Rolle in der Entstehung des Myelodysplastischen Syndroms spielen. Diese Entdeckung eröffnet neue Möglichkeiten für die gezielte Therapie dieser Erkrankungen.

Literatur: Yoshida, K., et al.: Nature 2011;478:64–9, Online: doi:10.1038/nature10496.


Dr. Bettina Hellwig


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