Schweizer Apothekerverband

Jede dritte Schweizer Apotheke unrentabel

Berlin - 23.11.2011, 12:18 Uhr


Nicht nur deutsche Apotheken klagen: Mehr als 30 Prozent der Schweizer Apotheken sind dem Apothekerverband pharmaSuisse zufolge betriebswirtschaftlich nicht mehr rentabel. Dies sei nicht zuletzt eine Folge der jüngsten Senkung der Apothekenmarge. Die Schweizer Krankenversicherer beklagen indessen die hohen Medikamentenpreise im Land und fordern eine Absenkung der Margen.

Alljährlich lässt pharmaSuisse eine Rentabilitätsstudie der Apotheken durchführen. 1011 Apotheken beteiligten sich an der akutellen Studie, die sich auf das Geschäftsjahr 2010 bezieht. Die gestern vorgestellten Resultate hatte man besonders gespannt erwartet. Denn im letzten Jahr hatte das Schweizer Bundesamt für Gesundheit zum 1. März 2010 nicht nur die Herstellerabgabepreise, sondern auch die Vertriebsmarge der Apotheken von 15 Prozent auf 12 Prozent gesenkt. Der letztere, für die Apotheken deutlich spürbare Effekt ist angesichts des unterjährigen Starts der Sparmaßnahme und der um zwei bis drei Monate verzögerten Abrechnung von Arzneimitteln allerdings noch nicht vollständig sondern nur etwa zu 60 Prozent in der Studie abgebildet.

Dennoch zeichnet sich ein düsteres Bild: Der Studie zufolge weisen allerdings schon mehr als 30 Prozent der Apotheken einen Gewinn von weniger als 50.000 Schweizer Franken (rund 40.400 Euro) auf – vor Abzug von Zinsen, Steuern, Abschreibungen und Amortisation. Diese Apotheken seien betriebswirtschaftlich bereits heute in einer sehr schwierigen Lage. „Es fehlt ihnen schlicht der Ertrag, um Investitionen zu tätigen, und Kreditgeber zu finden ist fast unmöglich“, klagt pharmaSuisse. 

Und so schlägt der Apothekerverband Alarm: Die Gesundheitsgrundversorgung der Bevölkerung durch Apotheken sei direkt bedroht. Wolle man auch in Zukunft eine breite und gut zugängliche Medikamentenversorgung über die Apotheken aufrecht erhalten, so seien Politik und Behörden gefordert, hier keine weitere Sparmaßnahmen anzusetzen. Vielmehr sollten die Kompetenzen der Apotheker und die Infrastrukturen der Apotheken besser genutzt werden. Eine weitere Verschlechterung der Ertragssituation werde dagegen Entlassungen zur Folge haben. Denn 70 Prozent der Betriebskosten entstünden durch das Personal, so der Verband. 

PharmaSuisse betonte, dass Apotheken schon lange ihren Beitrag zur Stabilisierung der Gesundheitskosten leisten. Seit Einführung der preisunabhängigen Abgeltung (LOA) im Jahr 2001 seien weder der Taxpunktwert für die Leistungen des Apothekers noch die Vertriebsanteile der Medikamente der Teuerung angepasst worden. Dies entspreche einer Renditesenkung. Hinzu komme die Margenkürzung im März 2010. Der Apothekerverband gibt sich kampfbereit: „Gegen weitere ertragsschmälernde Opfer der Apotheken wird sich pharmaSuisse mit allen Mitteln wehren“.

Einen Tag nachdem die Apothekenstudie vorgestellt wurde, meldete sich heute der Branchenverband der Schweizer Krankenversicherer santésuisse zu Wort. Auch die Versicherer haben eine Studie zu bieten. Und diese zeigt, dass die Schweizer Margen bei Medikamenten im Schnitt einen Viertel höher sind als in Referenzländern Europas. Verschreibungspflichtige Medikamente hätten die Schweizer Prämienzahler im Jahr 2010 mit rund 4,8 Mrd. Schweizer Franken belastet, so santésuisse. Davon seien 1,3 Mrd. Schweizer Franken (gut 1 Mrd. Euro) als Marge an den Handel geflossen. Zum Handel zählen neben Apotheken und Großhändlern auch selbstdispensierende Ärzte und Krankenhäuser. Weitere 110 Mio. Schweizer Franken seien via Mehrwertsteuer auf den Staat gegangen – hier sollten sich die Schweizer allerdings über ihre Medikamenten-Mehrwertsteuer von lediglich 2,5 Prozent freuen. Dennoch: Die Krankenversicherer fordern, dass die Schweizer Margen auf das „europäische Niveau“ gesenkt werden. Das Sparpotenzial beziffern sie auf 300 Mio. Schweizer Franken zugunsten der Prämienzahler.


Kirsten Sucker-Sket


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