Quartalszahlen

Merck mit Gewinnanstieg

Darmstadt - 26.10.2011, 14:28 Uhr


Der Pharma- und Chemiekonzern Merck hat mit seinen Zahlen zum dritten Quartal für eine Überraschung gesorgt: Nach einem Verlust im zweiten Quartal haben die Darmstädter die Monate Juli bis September trotz erneuter Abschreibungen im Arzneimittelgeschäft mit einem Gewinnanstieg abgeschlossen.

Merck hatte zuletzt insbesondere enttäuschende Nachrichten aus dem Arzneimittelgeschäft vermelden müssen. So scheiterte die Zulassung des Multiple Sklerose-Mittels Cladribin. Zudem gab das Unternehmen sämtliche Rechte am Parkinson-Mittel Safinamid zurück. Nun steht Merck vor einer mühsamen Neuausrichtung. Es sei bekannt, dass es in der Arzneimittelsparte Merck Serono Veränderungsbedarf gebe, sagte Unternehmenschef Karl-Ludwig Kley. „Wir wollen und wir können besser werden.“ Merck will die Schlagkraft von Forschung und Entwicklung erhöhen sowie Kosten sparen. Im ersten Halbjahr 2012 sollen Details folgen.

Ein personeller Neuanfang im Pharmageschäft, das 63 Prozent zum Gesamtumsatz beiträgt, wurde zum Jahresanfang mit Stefan Oschmann eingeläutet. Im Sommer folgte dann Matthias Zachert als neuer Finanzvorstand. Der frühere Roche-Manager Robert Yates übernahm die Leitung der Laborsparte Merck Millipore.

In der Sparte Consumer Health Care, in der das Geschäft mit nicht verschreibungspflichtigen Mitteln gebündelt ist, soll die Rentabilität weiter steigen. „Mit unserer einstelligen Marge liegen wir deutlich hinter den Wettbewerbern mit zehn, fünfzehn oder 20 Prozent“, sagte Zachert. An der Verbesserung will Merck in den kommenden zwei Jahren arbeiten. Ob die Sparte dann verkauft wird oder nicht, blieb offen. Ein Blick auf Konkurrenten wie Bayer Boehringer Ingelheim oder Novartis offenbart die Schwäche: Die Konkurrenz liefert operative Renditen von 15 bis 20 Prozent.

Operativ hat Merck wegen gestiegener Forschungsausgaben und geringerer Umsätze im Pigmentgeschäft 333,3 Millionen Euro und damit 8,3 Prozent weniger als im Vorjahr verdient. Wie bereits im Vorquartal standen Abschreibungen in Millionenhöhe in der Bilanz, die zum Großteil das Arzneimittelgeschäft Merck Serono betrafen. Während der Umsatz in der Sparte stieg, sank der operative Gewinn um fast ein Fünftel. Ein leicht besser als erwarteter Umsatz bei Merck Serono mit den beiden Medikamenten Rebif (Multiple Sklerose) und Erbitux (Krebsmittel) sowie ein Erlösplus bei Merck Millipore ließen den Konzernumsatz um fast vier Prozent auf 2,53 Milliarden Euro steigen.

In der Chemie brach das Geschäft der Sparte Performance Materials ein. Der Spartenumsatz gab nach, und das operative Ergebnis brach um fast ein Viertel ein. Die Schwäche im Chemiegeschäft dürfte im vierten Quartal anhalten, sagte Finanzchef Zachert.

Merck bestätigte die im Sommer wegen Einmaleffekten von zuvor bis zu 1,6 Milliarden Euro auf rund eine Milliarde gesenkte Prognose für das operative Ergebnis (VJ: 1,11). Die Erwartung für den Konzernumsatz wurde gesenkt: Merck rechnet nun mit zehn bis 10,2 Milliarden Euro. Mit Vorlage der Halbjahresbilanz hatte das Management die Umsatzprognose von zuvor bis zu 10,7 Milliarden Euro auf bis zu 10,4 Milliarden Euro gekappt (Vorjahr: 9,29).


dpa-AFX/DAZ.online


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