Lyme-Borreliose

Azithromycin-Gel an der Einstichstelle schützt

München - 30.09.2011, 12:04 Uhr


Die von Zecken übertragene bakterielle Lyme-Borreliose muss bislang noch mit einer mehrwöchigen Antibiotika-Therapie behandelt werden. Münchener Forscher haben nun ein weit weniger belastendes Verfahren entwickelt.

Die Lyme-Borreliose wird durch Zecken übertragen, die Borrelia burgdorferi und verwandte Erreger während einer Blutmahlzeit aufnehmen und beim nächsten Stich an Mensch oder Tier weitergeben. Nach Schätzungen sind in Westeuropa ein Drittel bis zu einer Hälfte aller Zecken Träger von Borrelien. Unbehandelt kann die zunächst nur mit milden Symptomen verlaufende Erkrankung schwere Schäden verursachen, unter anderem in der Haut, den Gelenken, dem Herz und dem Nervensystem, wobei diese dann nur schwer zu therapieren sind.

Vorerst müssen sich Borreliose-Patienten noch einer mehrwöchigen Antibiotika-Therapie unterziehen, die in vielen Fällen intravenös verabreicht wird. Dazu kommt, dass eine Behandlung oft auch auf Verdacht eingeleitet werden muss, weil sich die Erreger direkt nach dem Zeckenstich noch nicht im Organismus nachweisen lassen.

Ein Forscherteam der Ludwig- Maximilians-Universität München konnte nun im Tierversuch zeigen, dass ein an der Einstichstelle angebrachtes, flüssiges Gel mit dem Antibiotikum Azithromycin die Infektion im Keim ersticken kann. Mittlerweile wird die lokale Antibiotika-Behandlung gegen Borrelien auch an infizierten Menschen in einer Phase-III-Studie getestet. Bei dem neuen Ansatz wird das Antibiotikum über ein transparentes, selbst klebendes Pflaster direkt auf die Stichstelle aufgebracht. Weil nur sehr wenig Antibiotikum enthalten ist, bleibt die Wirkung lokal begrenzt, und auch Nebenwirkungen treten kaum auf.

Literatur: Knauer, J. et al.: J. Antimicrob. Chemotherap. online, 15. September 2011.
 


Dr. Bettina Hellwig


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