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Ipilimumab bei malignem Melanom

München - 07.09.2011, 10:00 Uhr


Der vollständig humane monoklonale Antikörper Ipilimumab (Yervoy®) ist für die Therapie von fortgeschrittenen, nicht reserzierbaren oder metastasierten Melanomen bei vorbehandelten Erwachsenen zugelassen. Diese Patienten haben in der Regel eine schlechte Prognose.

Ipilimumab blockiert das Protein CTLA-4 (Cytotoxic T-Lymphocyte Antigen-4), das die T-Zellaktivität herunterreguliert. Durch diese Blockade verstärkt Ipilimumab indirekt die Aktivität und die Proliferation der T-Zellen. Diese können dann Tumoren infiltrieren und damit zum Tumorzelltod führen.

Das empfohlene Induktionsregime für Ipilimumab liegt bei 3 mg/kg Körpergewicht, intravenös über einen Zeitraum von 90 Minuten verabreicht, alle drei Wochen für insgesamt vier Dosen. Vor Einleitung und vor jeder erneuten Gabe müssen sowohl die Leber- als auch die Schilddrüsenwerte analysiert werden. Zusätzlich müssen die Patienten während der Behandlung auf Anzeichen oder Symptome von immunvermittelten Nebenwirkungen einschließlich Diarrhö und Kolitis untersucht werden.

In einer randomisierten doppelblinden Phase-III-Studie mit 676 Melanompatienten verlängerte Ipilimumab die mittlere Überlebenszeit von 6,5 auf 10 Monate; unter der Therapie mit Ipilimumab stieg das Ein- und Zwei-Jahres-Überleben von 25% auf 46% bzw. von 14% auf 24%. Einige der Patienten, die Ipilimumab erhalten hatten, waren noch nach drei bis vier Jahren am Leben.

Ipilimumab ist ein humanisierter monoklonaler Antikörper, der nicht über Cytochrom-P450- oder andere Enzyme des Arzneimittelmetabolismus abgebaut wird. Daher sind für Ipilimumab keine pharmakokinetischen Arzneimittel-Interaktionen zu erwarten.

Die häufigsten Nebenwirkungen (≥ 10% der Patienten) waren Diarrhö, Ausschlag, Pruritus, Müdigkeit, Übelkeit, Erbrechen, verminderter Appetit und Bauchschmerzen. Die meisten dieser Nebenwirkungen, einschließlich schwerwiegender Ereignisse, klangen nach Einleitung einer geeigneten Therapie oder Abbruch der Behandlung wieder ab.

10 bis 15 % der Patienten erlitten unter der Therapie mit Ipilimumab schwerwiegende immunologische Nebenwirkungen, die teilweise lebensbedrohlich waren und auch zum Tod führten. Bei den ersten Hinweisen auf eine lebensgefährliche Reaktion sollte Ipilimumab abgesetzt werden. Für die Behandlung dieser Nebenwirkungen kann eine systemische hochdosierte Therapie mit Glucocorticoiden zusammen mit oder ohne andere Immunsuppressiva erforderlich sein.

Quelle: Fachinformation zu Ipilimumab, Stand Juli 2011.


Dr. Bettina Hellwig


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