Wirbel um Parallelimport-Studie

IMS Health: Keine Spionage

Berlin - 23.08.2011, 15:38 Uhr


Der Marktforschungsdienstleister IMS Health hat Berichte zurückgewiesen, nach denen das Unternehmen mit Hilfe von Apothekern Industriespionage betreibe. Ziel der derzeitigen Studie sei eine genauere Produktionsplanung und die Aufdeckung von Arzneimittelfälschungen.

Auslöser war ein Bericht der „Süddeutschen Zeitung“ (SZ) vom Vortag: Danach hat IMS Health Apotheker mit einer Kamera ausgestattet, um Informationen über parallelimportierte Arzneimittel zu sammeln. Die beteiligten Apotheken sollen Medikamentenpackungen von Parallelimporten auf bestimmte Weise fotografieren und einmal im Monat die gesammelten Unterlagen an IMS Health schicken. Für die „pharmazeutische Detektivarbeit“ erhalten die Apotheker laut SZ-Bericht von IMS Health ein nicht zu verachtendes Honorar.

Bei IMS Health ist man über die Berichterstattung nicht erfreut. Man werde mit der Wirtschaftsredaktion der SZ Kontakt aufnehmen, „um die mangelhafte Recherchequalität und irreführenden Tenor grundsätzlich zu adressieren“, erklärte das Unternehmen gegenüber DAZ.online. Die in der SZ beschriebene Studie erfülle – wie alle IMS Marktforschungsstudien – die relevanten gesetzlichen Rahmenbedingungen. Vorliegend würden im Auftrag verschiedener Pharmaunternehmen Studien erstellt, deren Ziel es sei, die Herkunftsländer der Parallelimporte, die für den deutschen Markt zugelassen sind, zu identifizieren. Dafür nutze IMS jedoch keineswegs unlautere, sondern verschiedene gängige Marktforschungsmethoden.

Die genannte Studie solle feststellen, welche Warenmenge ein Land zur ausreichenden Versorgung der Bevölkerung benötigt. Die Ergebnisse sollen für bestimmte Produkte die Basis für eine genaue Produktionsplanung und die Aufrechterhaltung einer störungsfreien Arzneimittelversorgung darstellen, so das Unternehmen gegenüber DAZ.online.

Weiter seien die beauftragenden Pharmaunternehmen an der Aufdeckung von Arzneimittelfälschungen interessiert. Durch die stichprobenartige Überprüfung der Arzneimittel durch Apotheker wolle IMS Health feststellen, ob in Deutschland nicht zugelassene oder gefälschte Ware im Umlauf ist. Da insbesondere bei hochpreisigen Medikamenten – etwa HIV-, Krebs- und Lifestyle-Arzneimitteln – eine unrechtmäßige Manipulation gewinnbringend sei, beziehe sich die Studie hauptsächlich auf diese Produkte.

Dazu, wie viele Apotheken an der Studie beteiligt sind, wollte sich IMS Health gegenüber DAZ.online nicht konkret äußern. Die Stichprobengröße könne sich abhängig von den Spezifika des untersuchten Produktes und der jeweiligen Fragestellung zwischen mindestens 30 bis zu einigen hundert beteiligten Apotheken bewegen. Auch genauere Angaben zur Zahl und Art der genau untersuchten Arzneimittel wollte das Unternehmen nicht machen.


Juliane Ziegler