Sexualhormone

Testosteron schützt vor Entzündungskrankheiten

Jena - 06.08.2011, 10:14 Uhr


Männer leiden deutlich seltener an entzündlichen und allergischen Erkrankungen als Frauen. Dafür ist das männliche Sexualhormon mit verantwortlich, wie Pharmazeuten der Friedrich-Schiller-Universität Jena jetzt in einer aktuellen Studie belegen.

An Krankheiten wie Rheumatoider Arthritis, Psoriasis oder Asthma leiden mehrheitlich Frauen. Jenaer Forscher sind den molekularen Ursachen dafür nachgegangen. Dafür haben sie Immunzellen von männlichen und weiblichen Probanden isoliert und im Reagenzglas unter anderem die Aktivität der Enzyme getestet, die für die Produktion der entzündungsfördernden Substanzen verantwortlich sind. Sie stellten fest, dass in männlichen Zellen das Enzym Phospholipase D weitaus geringer aktiv ist als in den weiblichen. Unter dem Einfluss von Testosteron verringert sich die Enzymaktivität, auch in den weiblichen Immunzellen.

Daraus schließen die Jenaer Pharmazeuten, dass dem männlichen Sexualhormon eine Schlüsselrolle bei der Modulation der Immunantwort zukommt. Dies würde beispielsweise auch das bereits früher beobachtete Phänomen erklären, wonach Testosteron Männer vor Arteriosklerose schützen kann. Vor allem aber sollten die neuen Erkenntnisse bei der Prüfung neuer Therapien und Arzneimittel für Entzündungserkrankungen berücksichtigt werden, denn nach wie vor werden in aller Regel neue Therapien ausschließlich an männlichen Probanden getestet. Wie die Jenaer Studie jetzt untermauert hat, lassen sich die an männlichen Versuchspersonen gewonnenen Ergebnisse aber nicht immer direkt auf Frauen übertragen. Im Gegenteil: Wichtig wäre eine jeweils „maßgeschneiderte“ Therapie für Männer und Frauen.

Literatur: Pergola C. et al.: The FASEB Journal 2011, Online-Publikation DOI: 10.1096/fj.11-182758


Dr. Bettina Hellwig