Europäische Kommission

Synthetische Drogen breiten sich aus

Brüssel - 12.07.2011, 11:46 Uhr


Die EU-Kommission hat neue synthetische Drogen ins Visier genommen: 2010 wurden 41 psychoaktive Substanzen ermittelt, die die Wirkung gefährlicher Drogen wie Ecstasy oder Kokain imitieren, aber legal vertrieben werden. Das sind 24 mehr als im Vorjahr. Nun will man schärfere Maßnahmen gegen ihre Verbreitung ergreifen.

Unter jungen Europäern zwischen 15 und 24 Jahren, die diese neuen (legalen) Substanzen bereits ausprobiert haben, werden die Rauschmittel immer beliebter. Das geht aus einer aktuellen Eurobarometer-Umfrage hervor. Danach entfällt der höchste Anteil auf Irland (16 %), gefolgt von Polen (9 %), Lettland (9 %), Großbritannien (8 %) und Luxemburg (7 %). Laut Eurobarometer befürwortet allerdings eine große Mehrheit der 15- bis 24-Jährigen in allen 27 EU-Mitgliedstaaten ein Verbot dieser Substanzen.

„Die neuen synthetischen Drogen werden mit einer nie da gewesenen Geschwindigkeit in ganz Europa verbreitet. Sie können giftig sein, machen süchtig und haben langfristige schädliche Wirkungen“, sagte die für das Ressort Justiz zuständige Vizepräsidentin der EU-Kommission Viviane Reding. „Wir müssen auf EU-Ebene handeln und unsere Kinder schützen. Das gegenwärtige System zur Feststellung dieser neuen Drogen ist unzureichend, um die erhebliche Zunahme dieser Substanzen auf dem Markt zu bekämpfen. Die Vorschriften müssen verschärft werden, damit die Jugendlichen vor diesen gefährlichen Drogen geschützt werden. Wir müssen sicherstellen, dass der Rechtsrahmen zur Bekämpfung dieser Substanzen solide und wirksam ist.“

Gestern wurde ein Bericht zu den Maßnahmen der EU im Zusammenhang mit neuen psychoaktiven Substanzen auf dem europäischen Markt veröffentlicht. Dieser kommt zu dem Ergebnis, dass das 2005 eingerichtete Frühwarnsystem der EU-Mitgliedstaaten für neue Substanzen gut funktioniert. Allerdings gebe es Probleme, die große Anzahl neuer Substanzen, die auf den Markt kommen, zu bewältigen. So sei es einfach, die gegenwärtigen Kontrollmaßnahmen zu umgehen und neue Drogen zu entwickeln, die möglicherweise legal sind, aber äußerst schädliche Wirkungen haben. Dem gegenwärtigen System mangele es ebenfalls an effektiven Möglichkeiten für Kontrollmaßnahmen.

Die Kommission prüft nun verschiedene Optionen, um die EU-Vorschriften wirksamer zu gestalten. Im Herbst will sie Vorschläge vorlegen.  


Kirsten Sucker-Sket


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