Kardiologie

Neue Leitlinien zur Therapie der koronaren Herzkrankheit

Frankfurt/M. - 12.07.2011, 11:42 Uhr


Jährlich werden 350.000 Herz-Patienten in Deutschland interventionellen oder chirurgischen Therapien unterzogen, vor allem bei Koronargefäßeinengungen oder -verschlüssen. Jetzt haben sich Kardiologen und Herzchirurgen auf gemeinsame Behandlungsregeln geeinigt.

Sie sollen demnächst in einem Symposium präsentiert werden. Nachfolgend sind einige der wichtigsten Aussagen der neuen Leitlinien zusammengefasst.

- Zur interventionellen Behandlungen dieser Engstellen und Verschlüsse an Herzkranzgefäßen wird entweder die perkutane Ballonangioplastik durchgeführt, heute meist in Form der Stent-PTCA, oder aber der chirurgische Eingriff in Form der Koronar-Bypass-Operation. Eine medikamentöse Therapie kann einmal eingetretene Einengungen oder Verschlüsse nur selten wieder auflösen. Sie kann aber zusammen mit einer Änderung der Lebensführung Progression und Komplikationen der Koronargefäßveränderungen reduzieren.

- Bei der Ballondilatation zur Aufdehnung von Einengungen der Koronararterien wird, analog zur Herzkatheteruntersuchung, ein Ballon innerhalb des Herzkranzgefäßes aufgeblasen, der zuvor meist über die Leistenarterie eingebracht wurde. Da diese Behandlung eine relativ hohe Komplikationsrate hat, hat sich nach und nach die Stent-PTCA durchgesetzt. Dabei wird ein kleines Metallgitterröhrchen (Stent) in der Engstelle aufgedehnt. Er presst lose Wandanteile oder Verkalkungen an die Gefäßwand und kann auch elastisch federnde Engstellen offen halten. Durch die Entwicklung medikamentenbeschichteter Stents konnte die Rezidivrate von anfangs etwa 30 Prozent auf zurzeit zehn bis 15 Prozent reduziert werden. Diese Stents erfordern allerdings anschließend eine verlängerte Therapie und meist zwei Thrombozytenaggregationshemmer.

- Bei der koronaren Bypasschirurgie wird meist die aus dem Bein entnommene Vene (Vena saphena) direkt an die Koronararterien angeschlossen (Anastomose). Dem Fortschritt chirurgischer Techniken, insbesondere des perioperativen Managements zur Verbesserung der Herz-Lungen-Maschine und der Intensivtherapie, ist es zu verdanken, dass diese Operation auch einer zunehmend älteren Patientengruppe angeboten werden kann. Zurzeit werden Bypass-Operationen häufig mit mehreren Anschlüssen an arterielle Bypassgrafts durchgeführt, um die Langzeithaltbarkeit zu verbessern. Um die perioperativen Komplikationen zu reduzieren, setzt sich insbesondere bei Patienten mit erhöhtem operativem Risiko die Bypass-Chirurgie ohne Einsatz der Herz-Lungen-Maschine durch.

- Derzeit werden in Deutschland jährlich etwa 300.000 Dehnungen an Herzkranzgefäßen durchgeführt. Dem stehen 50.000 herzchirurgische Eingriffe gegenüber, die den Patienten meist bei einer komplexeren Situation an den Herzkranzgefäßen angeboten werden. Um die Techniken im derzeitigen Stand zu vergleichen, wurde die SYNTAX-Studie (Synergie between PCI with taxus and cardiac surgery) durchgeführt. Dabei wurden sämtliche Patienten bewertet, und zum Vergleich entweder der Gefäßdehnung oder der herzchirurgischen Therapie zugeführt. Patienten, bei denen eine Katheterdehnung nicht möglich war oder bei denen ein zu hohes Operationsrisiko bestand, wurden weiter beobachtet. Die Ergebnisse dieser Untersuchung zeigen eine Gleichwertigkeit beider Methoden für die ersten beiden Jahre. Mit zunehmender Komplexität und Ausdehnung der Erkrankung innerhalb der Herzkranzgefäße ist der herzchirurgische Eingriff - die Koronar-Bypass-Operation - die günstigere Variante.

Quelle: Pressemitteilung des Klinikums der Johann Wolfgang Goethe-Universität, Frankfurt/M. , 1. Juli 2011.


Dr. Bettina Hellwig