Neu auf dem Markt

Perorales Antikoagulans Apixaban

10.07.2011, 10:49 Uhr


Der orale direkte Faktor-Xa-Hemmer Apixaban kommt zur Prophylaxe venöser Thromboembolien bei Erwachsenen nach einer Hüft- oder Kniegelenkersatzoperation auf den Markt.

Apixaban (Eliquis®) wird im Gastrointestinaltrakt gut resorbiert. Die Bioverfügbarkeit liegt bei 50 %. In der Leber wird die Substanz zu einem Phenolderivat oxidiert, wobei der Metabolismus über Cytochrom P450 eine untergeordnete Rolle spielt. Die Elimination erfolgt zu 75 % biliär und zu 25 % renal. Apixaban besitzt eine Halbwertszeit von neun bis 14 Stunden.

Die Behandlung mit Apixaban wird innerhalb von zwölf bis 24 Stunden nach der Operation begonnen. Die empfohlene Dosis beträgt 2,5 Milligramm oral zweimal täglich. Nach Hüftprothesen-Op sollte Apixaban 32 bis 38 Tage, nach Implantation einer Knieprothese 10 bis 14 Tage verabreicht werden.

Zulassungsrelevant waren die beiden Studien ADVANCE-2 und ADVANCE-3. Dabei wurde Apixaban (oral) mit dem niedermolekularen Heparin Enoxaparin (einmal tägliche Injektion) verglichen. Apixaban war zur Prävention venöser Thromboembolien effektiver als Enoxaparin, teilweise kam es unter der Therapie mit Apixaban trtzdem zu signifikant weniger Blutungskomplikationen

In der Studie APPRAISE-2 wurde bei Patienten mit akutem Koronarsyndrom die Therapie mit Apixaban (2 x 5 mg/Tag) im Vergleich zu einer Placebotherapie zusätzlich zur Monotherapie mit Acetylsalicylsäure oder zur dualen Plättchenhemmung mit Acetylsalicylsäure und Clopidogrel verglichen. Aufgrund einer signifikanten Zunahme des Blutungsrisikos unter der Therapie mit Apixaban wurde die Studie vorzeitig beendet.

In AVERROES (Apixaban Versus ASA to Reduce the Rate of Embolic Stroke, Phase-III-Studie) wurde die Therapie mit Apixaban (zweimal 2,5 - 5 mg/Tag) mit Acetylsalicylsäure (81 - 324 mg/Tag) bei Patienten mit Vorhofflimmern verglichen, bei denen eine Therapie mit Vitamin-K-Antagonisten aus unterschiedlichen Gründen nicht durchgeführt wurde. Hier wurde eine signifikante Überlegenheit von Apixaban in der Prävention von ischämischen Schlaganfällen und anderen systemischen Embolien bei gleichzeitig nicht signifikanter Zunahme von Blutungskomplikationen nachgewiesen.

Häufige Nebenwirkungen waren Anämie, Blutungen, Bluterguss und Übelkeit. Wie bei jedem Antikoagulans kann die Anwendung von Apixaban mit einem erhöhten Risiko für okkulte oder sichtbare Blutungen aus jedem Gewebe oder Organ verbunden sein. Daher müssen Patienten, die mit Apixaban behandelt werden, sorgfältig auf Anzeichen einer Blutung überwacht werden. Es wird dementsprechend empfohlen, Apixaban bei Erkrankungen mit erhöhtem Blutungsrisiko mit Vorsicht anzuwenden. Dazu zählen angeborene oder erworbene Gerinnungsstörungen, aktive ulzerierende gastrointestinale Erkrankungen, bakterielle Endokarditis, Thrombozytopenien, Thrombozytenfunktionsstörungen, hämorrhagischer Schlaganfall in der Anamnese, schwere unkontrollierte Hypertonie sowie vor kurzem erfolgte chirurgische Eingriffe am Gehirn, Rückenmark oder an den Augen.

Derzeit wird Apixaban in der AMPLIFY Phase-III-Studie bei Patienten mit akuter tiefer Beinvenenthrombose und/oder akuter Lungenembolie untersucht. Hier wird die Therapie mit Apixaban (zweimal 10 mg/Tag für sieben Tage, gefolgt von zweimal 5 mg/Tag für sechs Monate) im Vergleich zur Standardtherapie mit Enoxaparin gefolgt von Warfarin (Bridging-Therapie) verglichen. Die Studie ist noch nicht abgeschlossen. In ARISTOTLE (Apixaban for the Prevention of Stroke in Subjects With Atrial Fibrillation, Phase III-Studie) soll bei Patienten mit Vorhofflimmern die Nicht-Unterlegenheit der Therapie mit Apixaban (zweimal 5 mg/Tag) im Vergleich zu Warfarin (Ziel-INR: 2,0 - 3,0) untersucht werden.

Literatur: Fachinformation zu Eliquis®, Stand Mai 2011.


Dr. Bettina Hellwig


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