Ökotest

Kritische Lippenpflege mit UV-Schutz

Berlin - 27.06.2011, 17:16 Uhr


Zweifelhafter Sonnenschutz: Ökotest hat 19 Lippenpflegestifte mit UV-Schutz auf ihre Inhaltsstoffe untersucht und entdeckte dabei viele Präparate mit bedenklichen Zusätzen, die eigentlich nicht nötig sind. Nur zwei Produkte landen im oberen grünen Bereich. Sieben schnitten hingegen mit mangelhaft oder ungenügend ab.

Um vor schädlichen UV-Strahlen zu schützen, stecken bis zu fünf verschiedene UV-Filter in den Produkten. Es handelt sich vor allem um chemische Filter; gut der Hälfte der Lippenstifte enthält zudem das Pigment Titandioxid als mineralischen Filter. Einige Anbieter setzen dabei jedoch auf Substanzen mit bekannter hormoneller Wirksamkeit: beispielsweise Octocrylene, Ethylhexyl methoxycinnamate, 4-Methylbenzylidene Camphor und Benzophenone-3.  Ausschließen lassen sich unerwünschte hormonelle Effekte laut Ökotest auch bei den anderen UV-Filtern nicht. Anders als bei den genannten mangelt es hier allerdings an entsprechenden Untersuchungen.

Weiterhin stellte das Verbrauchermagazin problematische Paraffine in den Lippenstiften fest. Wie die ebenfalls verwendeten Wachse Bienenwachs, Candelillawachs und Jojobaöl dienen Paraffine und Erdölprodukte der Haftung des Lippenstiftes auf den Lippen. Einige Rezepturen enthalten zudem synthetische Stoffe wie Silikone. Diese Stoffe gelangten durch Weglutschen in den Körper und können sich dort in Organen wie Leber oder Lymphknoten anreichern. Paraffine verbergen sich hinter den Begriffen Ozokerite, Petrolatum, Ceresine, Cera Microcristallina, Hydrogenated Polyisobutene und Polydecene.

Darüber hinaus beklagt Ökotest, dass bei einigen Produkten Allergien auslösende Duft- und Farbstoffe zum Einsatz kommen. So befindet sich etwa im Labello Sun Protect LSF 30 die bedenklichen Farbstoff Tartrazin und Gelborange S – damit war für den Lippenklassiker das „mangelhaft“ besiegelt. Umstrittene und/oder bedenkliche Inhaltsstoffe tauchen aber auch in anderen Stiften auf: der allergieauslösende Duftstoff Hydroxycitronellal im Carmex Classic Lippenbalsam, LSF 15, der halogenorganische Konservierungsstoff Chlorphenesin im Lancaster Sun Care Sun Beauty Stick Eyes & Lips SPF 20, das hormonverdächtige Propylparaben im Apothekers Lippenbalsam LSF 30+ (Dr. Pfleger) und Tartrazin im Madaus Echinacin Lipstick Care + Sun, LSF 20 (Rottapharm-Madaus). Die beiden letztgenannten Apothekenprodukte wurden mit „mangelhaft“ (Apothekers Lippenbalsam) bzw. „ausreichend“ bewertet.

Die besten in der Apotheke gekauften UV-Lippenstifte waren Ilrido Lippenpflege mit UV-Schutz LSF 20 sowie Lavidal UV-Schutzstift LSF 25. Beide erhielten ein „befriedigend“ - unter anderem weil sie Octocrylene als UV-Filter enthalten. Mit „sehr  gut“ schnitt nur ein Lippenstift ab: Der Annemarie Börlund Sun Care Stick LSF 20. Als einziges Produkt mit „gut“ bewertet wurde nur Sebamed Schützende Lippenpflege LSF 30.

Einem Praxistest unterzog Ökotest die Lippenstifte übrigens nicht. Denn hierzu hätte bei Probanden mit künstlicher UV-Strahlung ein Sonnenbrand hervorgerufen werden müssen. Dies sei angesichts des Hautkrebsrisikos nicht verantwortlich.


Kirsten Sucker-Sket


Das könnte Sie auch interessieren

Lippenpflege mit UV-Schutz

Müller und dm schlagen Apothekenprodukte

Sonnenschutzmittel für Kinder

ÖkoTest vergibt nur wenige gute Noten

Nach UV-B und UV-A geraten auch die sichtbaren und infraroten Wellenlängen ins Zwielicht

Viel Licht, viel Schatten

Die Prüfmethoden von Stiftung Warentest und Öko-Test unter der Lupe

Sonnenschutz im Test