Diabetes

Novo Nordisk will nach oben

Berlin - 09.05.2011, 09:30 Uhr


Der dänische Arzneimittelhersteller Novo Nordisk hat dem deutsch-französischen Konkurrenten Sanofi-Aventis auf dem Markt für Insulin den Kampf angesagt. Sein Unternehmen wolle Marktführer werden, sagte der Vorstandschef von Novo Nordisk, Lars Rebien Sørensen, der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (FAZ).

Sanofi-Aventis erziele mit seinem Mittel Lantus derzeit einen Umsatz von rund fünf Milliarden US-Dollar, so Sørensen. Diese Stellung wolle er mit Degludec in den kommenden zehn Jahren erreichen. Das Volumen des gesamten Diabetesmarktes wird derzeit auf rund 16 Mrd. Dollar beziffert – Tendenz steigend. Vor allem in Schwellenländern wie China und Indien wird zunehmend kalorienreich gegessen, der Anteil von Junk Food an der Nahrung nimmt zu. Die Folge ist Übergewicht, das die Erkrankung an Diabetes Typ 2 erheblich begünstigt.

Novo Nordisk will nicht zuletzt deshalb seine Produktionskapazitäten in China ausweiten. Auch für ein Werk in Russland gebe es bereits Pläne. Sørensen: „In Dänemark behalten wir die Forschung und die Herstellung des Konzentrates, arbeitsintensive Fertigungsschritte werden in Länder mit niedrigen Löhnen verlagert“. Nur so ließe sich die Position verteidigen. „Niemand kann Insulin günstiger herstellen als wir“, sagt der Novo Nordisk-Chef.

Die heutigen Neuentwicklungen von Diabetes-Medikamenten sind vor allem komfortabler anzuwenden als bisherige Humaninsuline. So sei es etwa bei Degludec von Vorteil, dass es  48 Stunden wirksam sei. „Wer es einmal vergisst, hat einen Tag Puffer“, erläutert Sørensen. Der übernächste Schritt zur oralen Einnahme von Insulin werde noch sechs bis acht Jahre dauern. Den deutschen Markt sieht der dänische Unternehmer allerdings kritsich: In keinem anderen europäischen Staat würden fortschrittliche Diabetesmittel so gering vergütet wie in Deutschland. „Das passt nicht zu einem Land, das vom Export innovativer Produkte lebt“. Grundsätzlich begrüßt Sørensen zwar den Ansatz, den Preis für neue Arzneimittel an ihrem Nutzen zu orientieren. Aber gerade für  Diabetiker lasse sich dieser Nutzen nur langfristig – und nicht innerhalb von sechs Monaten – nachweisen. Er sieht an anderen Stellen mehr Einsparpotenzial: So würden etwa viel zu viele Antibiotika eingenommen, was die Krankenkassen viel Geld koste und zudem die Abwehrkräfte der Patienten schwäche.

Novo Nordisk erwirtschaftet drei Viertel seines Umsatzes mit der Diabetes-Sparte. „Wir konzentrieren uns auf das, was wir können“, sagt Sørensen. Und das sei die effiziente Herstellung von Insulinen und Hormonen zur Stimulation der körpereignen Insulinbildung. Auch deshalb schließt er für Novo Nordisk neue Angebote wie das Blutzuckermessgerät von Sanofi-Aventis für das iPhone aus.


Kirsten Sucker-Sket/dpa


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