Welttuberkulosetag

Tuberkulose: Auch in Deutschland noch ein Problem

Berlin - 21.03.2011, 16:37 Uhr


Am 24. März ist Welttuberkulosetag. Trotz leicht rückläufiger Zahlen bleibt die Infektionskrankheit nach Einschätzung des Berliner Robert-Koch-Instituts (RKI) auch in Deutschland eine ernstzunehmende Krankheit. Im Jahr 2009 wurden der Behörde 4444 Fälle und 154 Todesfälle gemeldet.

Der Trend sei seit Jahren zwar rückläufig, doch verringere sich die Zahl der Betroffenen nicht mehr so schnell wie früher, sagt RKI-Experte Walter Haas. Besonders gefährdet bei einer Ansteckung mit Tuberkulose seien Kinder. Bei ihnen verlaufe die Krankheit schwerer und könne zu bleibenden Behinderungen führen.

Weltweit gilt Tuberkulose mit 9,4 Millionen Erkrankungen und 1,7 Millionen Todesfällen pro Jahr als einer der großen Killer der Menschheit. Die Erkrankung überträgt sich leicht durch Tröpfcheninfektionen von Mensch zu Mensch, insbesondere auf engem Raum und bei schlechter Hygiene. Die Erreger sind Mycobakterien, die insbesondere bei unterernährten und immungeschwächten Patienten die Krankheit zum Ausbruch bringen. Tuberkulose ist durch eine monatelange Behandlung mit Antibiotika aber heilbar. Probleme machen heute jedoch die Resistenzen der Erreger gegen gängige Medikamente und die Co-Infektion mit HIV. Vor allem in Asien und Afrika südlich der Sahara wütet der Erreger, den der Berliner Mediziner Robert Koch 1882 entdeckte. Auch in einigen Ländern Osteuropas gilt die Lage als schwierig. Das ehrgeizige Ziel der Weltgesundheitsorganisation WHO, die Tuberkulosezahlen bis 2015 zu halbieren, wird kaum einzuhalten sein.

Auch in Deutschland ist Tuberkulose nach wie vor ein Thema. Nach jahrelanger rückläufiger Entwicklung beobachten die Statistiker seit 2008 eine steigende Zahl von Erkrankungen bei Kindern. So erkrankten im Jahr 2009 insgesamt 146 Kinder und Jugendliche unter 15 Jahren an einer Tuberkulose. Gegenüber dem Vorjahr wurden damit 22 (17 Prozent) Erkrankungsfälle mehr registriert. Dieser Trend setze sich auch in den vorläufigen Zahlen für 2010 fort, sagte Haas. „Hausärzten fehlt heute oft die Erfahrung mit dieser Krankheit“, so der RKI-Experte. Würde sie nicht rechtzeitig entdeckt, könne eine Tuberkulose entweder sofort oder im Erwachsenenalter ausbrechen. Allgemein sei die Gefahr einer Ansteckung in Großstädten wie Hamburg und Berlin größer als in ländlichen Regionen.

Dem Verband der forschenden Pharma-Unternehmen (vfa) zufolge gibt es aber berechtigte Hoffnung auf bessere Bekämpfungsmöglichkeiten: Zwei neue Medikamente seien in der letzten Erprobungsphase vor der Zulassung, zwei weitere in der Phase davor. „Tuberkulose soll sich mit ihnen zuverlässiger und schneller heilen lassen, als das heute möglich ist“, erklärte Dr. Siegfried Throm, vfa-Geschäftsführer Forschung, Entwicklung, Innovation. Darüber hinaus würden mehrere Wirkstoffe aus der akademischen Forschung derzeit mit Patienten erprobt.


Kirsten Sucker-Sket/dpa


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