Schleswig-Holsteinischer Apothekertag

Vernünftige und nachhaltige Perspektive gefordert

Damp - 14.03.2011, 10:25 Uhr


Am 12. und 13. März fand im Ostseebad Damp der zweite Schleswig-Holsteinische Apothekertag statt. Gerd Ehmen, Präsident der Apothekerkammer Schleswig-Holstein, forderte, nach Jahren des „Herumdokterns“ seien nun Antworten nötig, wie das Gesundheitswesen zu sichern und nachhaltig zu finanzieren sei.

Diese Zusammenarbeit bildete auch einen Schwerpunkt bei der berufspolitischen Podiumsdiskussion über „neue Wege in der Arzneimittelversorgung“, die von DAZ-Herausgeber Dr. Klaus G. Brauer moderiert wurde. Dr. Peter Froese, Vorsitzender des Apothekerverbandes Schleswig-Holstein, betonte in der Diskussion die große Unzufriedenheit der Apotheker mit der derzeitigen Situation, insbesondere mit der belastenden Bürokratie. „Der Druck treibt uns nicht in die richtige Richtung“, so Froese. Die Apotheker wollten den Menschen helfen, würden aber in eine andere Richtung getrieben. Auch Dr. Ingeborg Kreuz, Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung Schleswig-Holstein, beklagte die Belastungen der Ärzte durch Bürokratie und Dokumentationsaufwand. Außerdem kritisierte sie das Missverhältnis zwischen den Anforderungen an die Ärzte und der Vergütung sowie die Bedrohung durch Regresse. Martin Litsch, Vorstandsvorsitzender der AOK Nordwest, bezeichnete die Furcht vor Regressen als völlig überzogen, zeigte sich aber offen für neue Konzepte, auch in der Zusammenarbeit der Heilberufe. Aus wirtschaftlicher Perspektive sieht er den größten Handlungsbedarf bei nicht wirkstoffgleichen Präparaten. Der Bundestagsabgeordnete Dr. Johann Wadepfuhl (CDU) zeigte ebenfalls Interesse an dem ABDA-KBV-Vorschlag, bezweifelte aber, dass dieser alle anstehenden Probleme lösen werde. Vor neuen Lösungen müsse gezeigt werden, dass der alte Weg ungeeignet sei. Zudem signalisierte der Abgeordnete, dass die derzeitigen Nöte der Apotheker in der Politik angekommen seien. Einerseits erklärte er, die Politik sei aufgeschlossen gegenüber Modellen mit mehr Eigenverantwortung für Apotheker, andererseits sei die Umsetzung wohl eher ein Thema für die nächste Legislaturperiode.

Als weiterer Teil des berufspolitischen Programms erläuterte Frans Moss, Außenbeauftragter des niederländischen Apothekerverbandes KNMP, einige Aspekte der Situation der Apotheker in den Niederlanden. Den weitaus größten Teil des Apothekertages umfasste das Fortbildungsprogramm über Atemwegserkrankungen. Ausführliche Berichte über den Schleswig-Holsteinischen Apothekertag finden Sie in den nächsten gedruckten Ausgaben der DAZ.


Dr. Thomas Müller-Bohn


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