Arteriosklerose-Risiko

Nicht nur die Höhe der HDL-Spiegel zählt

09.03.2011, 11:53 Uhr


Wer einen hohen HDL-Spiegel hat, muss nicht automatisch gut vor Arteriosklerose geschützt sein. Nach den Ergebnissen einer Studie scheint einen hohe „Transportkapazität“ dieser Lipoprotein-Fraktion für die Höhe des KHK-Risikos viel entscheidender zu sein.

Den High-density-Lipoproteinen (HDL) wird eine atheroprotektive Wirkung zugeschrieben, denn sie nehmen Cholesterol aus Makrophagen in den Gefäßwänden auf und sorgen für den Rücktransport in die Leber (reverser Cholesteroltransport).

Eine Gruppe von Wissenschaftlern stellte die Hypothese auf, dass die Kapazität von HDL, Cholesterol aus Makrophagen aufzunehmen (die Cholesterol Efflux Capacity, CEC) unabhängig von der Höhe der HDL-Konzentration als Prädiktor für das Arteriosklerose-Risiko dienen könnte. Sie bestimmte die CEC zum einen bei 203 gesunden Personen, zum anderen in einer Fall-Kontroll-Gruppe mit insgesamt 793 Patienten, wobei 442 von ihnen von einer angiografisch gesicherten koronaren Herzkrankheit (KHK) betroffen waren.

In der Gruppe der gesunden Probanden fand man einen inversen Zusammenhang zwischen der CEC und der Intima-Media-Dicke der Karotiden (einem Maß für das Arteriosklerose-Risiko). Das bedeutet, dass eine hohe CEC das Arteriosklerose-Risiko der Studienteilnehmer verminderte, und zwar unabhängig vom jeweiligen HDL-Spiegel. In der Fall-Kontroll-Gruppe war eine erhöhte CEC mit einem verminderten Risiko für KHK assoziiert (adjustierte Odds Ratio 0,70, 95% KI 0,59-0,83, P<0,001). Dieser Zusammenhang blieb auch nach der Korrektur durch HDL- bzw. Apolipoprotein A-1-Spiegel (einer Protein-Komponente der HDL) noch signifikant. Damit sahen die Autoren ihre Hypothese bestätigt. Sie diskutierten, dass die Ergebnisse für die Prüfung von neuen Therapieoptionen, die auf den HDL-Metabolismus und den reversen Cholesterol-Transport abzielen, bedeutsam sein könnten.

Quelle:Khera, A.V. et al.: N. Engl. J. Med.2011; 364: 127-135


Dr. Claudia Bruhn/DAZ