Wechseljahre

Hormontherapie bei Hitzewallungen

19.02.2011, 07:19 Uhr


Eine Hormontherapie in den Wechseljahren wird heute vor allem zur Behandlung von Hitzewallungen und Atrophien der Vaginalschleimhaut zeitlich befristet empfohlen.

In der zweiten Lebenshälfte geht bei Frauen die Hormonproduktion in den Ovarien zurück. Zu den durch den Östrogenmangel verursachten Beschwerden gehören in erster Linie Hitzewallungen, Schweißausbrüche und Atrophien der Schleimhäute im Genitalbereich.

Diese Beschwerden lassen sich mit Östrogenen und Östrogen-Gestagen-Kombinationen gut behandeln. Dazu sollten die Hormone so kurz und so niedrig dosiert wie möglich eingesetzt werden. Da es sich hierbei um die Therapie von Bewerden handelt, wird heute nur noch der Begriff Hormontherapie verwendet; der Ausdruck „Hormonersatztherapie“ gilt als obsolet.

Da Östrogene das Wachstum der Gebärmutterschleimhaut fördern und dadurch Krebs auslösen können, dürfen sie bei Frauen, die ihre Gebärmutter nach haben, nur gemeinsam mit Gestagenen eingesetzt werden, die der Krebsentstehung entgegen wirken.

Hitzewallungen können auch mit dem synthetischen Steroid Tibolon behandelt werden. Die lipophilen Steroidhormone werden nach der Einnahme rasch in der Leber verstoffwechselt und müssen daher in sehr hohen Dosen eingenommen werden. Viele synthetische Hormone sind so verändert, dass sie nach oraler Applikation weniger schnell abgebaut werden.

Bei transdermalen Darreichungsformen, wie Pflaster, Cremes und Gelen, wird die erste Leberpassage umgangen. Daher können hier niedrigere Hormondosen eingesetzt werden. In Gelen ist die Östrogenkonzentration höher als bei Pflastern, so dass sich in der obersten Hautschicht ein Wirkstoffreservoir aufbaut, aus dem die Hormone nach und nach ins Blut abgegeben werden.

Wenn ausschließlich Beschwerden an den Harn- und Geschlechtsorganen behandelt werden sollen, können lokale Applikationsformen wie östrogenhaltige Salben und Zäpfchen verwendet werden, deren Inhaltsstoffe kaum ins Blut übergehen. Durch diese Therapie verbessern sich die trockenen und atrophierten Schleimhäute im Urogenitaltrakt, und viele Beschwerden in diesem Bereich verringern sich. Aus diesem Grund wird eine lokale Östrogentherapie auch bei rezidivierenden Harnwegsinfekten empfohlen. Eine Hormontherapie erhöht das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall, ebenso das Risiko für venöse Thromboembolien und Lungenembolien. Die Einnahme der Hormone kann das Brustkrebsrisiko erhöhen; ungeklärt ist der Einfluss auf das Ovarialkarzinom. Außerdem erhöhen die Hormone das Risiko von Gallenblasenerkrankungen.

Zur Prävention der Osteoporose sollte die Hormontherapie wegen ihrer Risiken nur noch individuell eingesetzt werden, wenn das Frakturrisiko hoch ist, andere medikamentöse Alternativen ausscheiden und das Krebsrisiko als niedrig eingeschätzt wird. Nicht belegt sind positive Wirkungen der Hormone auf die Haut und eine Senkung des Demenzrisikos.

Quelle: Prof. Dr. Manfred Schubert-Zsilavecs, Frankfurt/M., Prof. Dr. Rolf Daniels, Tübingen Pharmacon Davos, 6. bis 11. Februar 2011.


Dr. Bettina Hellwig


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