Unabhängige Patientenberatung

Aus dem Modell wird Alltag

Berlin - 27.01.2011, 16:56 Uhr


Bei Ärger mit Ärzten, Kliniken oder Krankenkassen können Patienten bald wieder bundesweit unabhängige Experten um Rat fragen. Voraussichtlich am 15. Februar wird die kostenlose Beratungshotline der Unabhängigen Patientenberatung wieder freigeschaltet.

Ratsuchende mit Migrationshintergrund sollen Beratung in ihrer Muttersprache erhalten, berichtete der GKV-Spitzenverband weiter. Das Angebot kostet insgesamt rund 5,1 Millionen Euro aus Beitragsgeldern der gesetzlichen Kassen. Die private Krankenversicherung wird sich mit gut 300.000 Euro pro Jahr beteiligen – zugesagt ist dies zumindest für die kommenden drei Jahre.

Ende 2010 lief eine zehnjährige Modellphase für die Patientenberatung aus. Nach einer kurzen Ruhephase ist das Angebot nun eine Regelleistung der Gesetzlichen Krankenversicherung – sie wurde europaweit ausgeschrieben. Zehn Bieter fanden sich – den Zuschlag für die kommenden fünf Jahre erhielt eine Bietergemeinschaft aus Sozialverband VdK, dem Verbraucherzentrale Bundesverband und dem Verbund unabhängige Patientenberatung Deutschland. Diese Gemeinschaft hatte auch schon die zweite und letzte Phase des Modellprojektes durchgeführt.Stefan Etgeton vom vzbv betonte als Vertreter der Bietergemeinschaft, dass man das bisherige Angebot nicht nur fortschreiben, sondern auch verbessern werde. "Wir bleiben ein lernendes System", so Etgeton.

Anlass für Patientenfragen gibt es reichlich: Behandlungsfehler, Unsicherheit über Therapien oder den Verdacht auf Verletzung der Patientenrechte etwa.

Der Patientenbeauftragte Wolfgang Zöller (CSU) sagte, die Beratung werde ihm über die Beschwerden berichten. So könnten Mängel im Gesundheitswesen angegangen werden – notfalls auch per Gesetzesänderung. Die Parlamentarische Staatssekretärin im Gesundheitsministerium, Annette Widmann-Mauz (CDU), sieht die Interessen von Patienten deutlich gestärkt.

Gernot Kiefer vom GKV-Spitzenverband sagte, die Kassen achteten darauf, dass die dafür gebrauchten Beitragsgelder tatsächlich für gute Beratung ausgegeben würden. Die private Krankenversicherung steuert die Mittel für das neue Beratungsangebot muttersprachliche auf Türkisch und Russisch bei.

Die Linkspartei warf der Regierung Verzögerungstaktik vor. Gesundheitsexpertin Kathrin Vogler forderte, kurzfristig die nötigen Mittel zur Verfügung zu stellen, damit keine Beratungsstellen vor Abschluss der neuen Verträge geschlossen werden müssen. Außerdem müsse das Recht auf unabhängige und kostenfreie Beratung in einem künftigen Patientenrechtegesetz verankert werden.


Kirsten Sucker-Sket/dpa


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