Boehringer Ingelheim

Kritisch gegenüber großen Übernahmen

Berlin - 02.12.2010, 11:31 Uhr


Der Pharmakonzern Boehringer Ingelheim steht Großübernahmen kritisch gegenüber: „Wir schließen kleinere Übernahmen nicht aus. Aber generell sehe ich Fusionen nicht als die richtige Strategie für ein forschendes Pharmaunternehmen", sagte Boehringer-Ingelheim-Chef Andreas Barner der „Welt“.

Übernahmen führten in der Regel zu einer Reduktion von Forschung und damit zu weniger Innovationen, erläuterte Barner. Derzeit investiere Boehringer Ingelheim 22 Prozent seines Pharmaumsatzes in die Forschung.

Barner äußerte sich zuversichtlich zum weiteren Geschäftsverlauf seines Unternehmens: Während im laufenden Geschäftsjahr der Umsatz wegen wichtiger Patentabläufe in den USA stagnieren werde, beginne 2011 wieder eine „neue Wachstumsphase, die der zurückliegenden Dekade ähneln könnte“, so Barner.

Bis 2009 war das 125 Jahre alte Familienunternehmen zehn Jahre lang stärker als der Markt gewachsen. Es gehört zu den 15 größten Pharmakonzernen der Welt. Große Hoffnungen setzt der Familienkonzern auf Pradaxa. Das ist ein Medikament, das für Menschen mit Vorhofflimmern laut Barner das Risiko einen Schlaganfall zu bekommen, um 30 Prozent senkt. Boehringer hatte im Oktober die Zulassung für das Mittel in den USA erhalten.

In Europa rechnet der Boehringer-Chef im kommenden Jahr mit der Genehmigung für den Verkauf von Pradaxa. Umsatzprognosen für das Mittel hat der Konzern bisher nicht genannt. Analysten trauen ihm aber einen Blockbuster-Umsatz zu – also Erlöse in Höhe von 1 Milliarde Dollar und mehr. Neben Pradaxa erwartet der Konzern im kommenden Jahr die Zulassung eines neues Diabetesmittels. Auch zwei Wirkstoffe gegen Krebs stünden kurz vor der Einreichung zur Zulassung.

Auf die Frage, ob das Unternehmen wegen der Gesundheitspolitik über eine Verlagerung von Aktivitäten ins Ausland nachdenke, sagte Barner, Boehringer Ingelheim finde hierzulande exzellente Mitarbeiter. „Wir beschäftigen etwa 30 Prozent unserer insgesamt 42.000 Mitarbeiter in Deutschland.“ Boehringer gebe fast 50 Prozent der jährlichen Investitionen und 70 Prozent der Steuern hier aus. Dabei würden nur etwa sechs Prozent der Pharmaumsätze in Deutschland erwirtschaftet.


dpa