Schlaganfall

Sofort Rettungsdienst alarmieren

Stuttgart - 26.10.2010, 06:45 Uhr


Mehr als 70 Prozent der Schlaganfallpatienten erreichen die Klinik zu spät, um mit einer Thrombolyse behandelt zu werden. Darauf weist jetzt die Deutsche Schlaganfall-Gesellschaft anlässlich de Weltschlaganfalltages am 29. Oktober hin.

Schlaganfälle sind die zweithäufigste Todesursache und die häufigste Ursache für Behinderungen im Erwachsenenalter. Auslöser ist in etwa 80 Prozent der Fälle ein Gerinnsel, das ein Hirngefäß verschließt. Mit der Thrombolyse, die ein solches Gerinnsel auflösen kann, steht seit längerem eine effektive Therapie zur Verfügung, die das Ausmaß der Behinderungen nach einem Schlaganfall vermindern kann. Die Thrombolyse kann aber nur in den allerersten Stunden nach Auftreten der Symptome eingeleitet werden.

Dabei kann eine umgehende Einweisung in die nächste Klinik mit einer Schlaganfall-Spezialstation, der Stroke Unit, die Chance auf Heilung erheblich verbessern. Doch noch immer erreicht nur eine Minderheit rechtzeitig die Klinik.

Dies ist zum einen in der verbreiteten Unkenntnis der Symptome begründet, zu denen neben der Halbseitenlähmung auch plötzliche Seh- oder Sprachstörungen gehören. Viele Menschen wissen mittlerweile, dass der Schlaganfall ein Notfall ist, reagieren aber dennoch falsch.

Das zeigte auch eine aktuelle Umfrage in den USA, die kürzlich in der Fachzeitschrift "Stroke" veröffentlicht wurde: Danach sah nur jeder Zweite die Notwendigkeit für einen sofortigen Notruf, wenn ein Angehöriger plötzlich nicht mehr sprechen kann oder gesprochene Worte nicht mehr versteht. Bei einer Halbseitenlähmung waren es nur knapp über 40 Prozent und bei Sehstörungen sogar nur 20 Prozent. Die meisten Befragten gaben an, dass sie die Angehörigen selbst zur nächsten Notaufnahme begleiten würden. Der Transport mit dem Rettungswagen ist jedoch in aller Regel schneller, und die Besatzung weiß auch, wo sich die nächste Stroke Unit befindet. Außerdem wird die Klinik vorzeitig über das Eintreffen des Patienten informiert und kann Vorbereitungen hierfür treffen. Deshalb sollte man bei einem Verdacht auf Schlaganfall sofort zum Telefon greifen und 112 wählen.

Anlässlich des Weltschlaganfalltages am 29. Oktober startet die World Stroke Organization (WSO) eine weltweite Aufklärungskampagne zum Thema Schlaganfall.

Quelle: Pressemitteilung der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft, Stuttgart, 18. Oktober 2010.


Dr. Bettina Hellwig


Das könnte Sie auch interessieren

Die neue Hoffnung in der Behandlung des akuten Schlaganfalls

Lichtblick Thrombektomie

Stroke Units sind im Ernstfall die erste Anlaufstelle, wenn sie denn erreichbar sind

Schlaganfall: (K)eine Frage des Alters

Ein Kommentar von Prof. Dr. Hans-Christoph Diener

Größter Fortschritt seit 30 Jahren

Wolfgang Niedecken und der Schlaganfall

Wie ein Schlag aus heiterem Himmel