AkdÄ Drug Safety Mail

Schwere Fetopathien durch Sartane

15.10.2010, 14:24 Uhr


Die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft AKdÄ weist darauf hin, dass schwere Fetopathien durch Einnahme von Sartanen im zweiten und dritten Schwangerschaftsdrittel möglich sind. Der AkdÄ wurden in kurzem Abstand zwei Fälle gemeldet, in denen Sartane trotz bestehender Kontraindikation während der Schwangerschaft eingenommen wurden und es zu fetalen Schäden gekommen ist.

Sartane sind zur Behandlung der arteriellen Hypertonie indiziert. Einige sind hinaus zur Behandlung der Herzinsuffizienz, der diabetischen Nephropathie oder zur kardiovaskulären Prävention bei Patienten mit manifester atherothrombotischer kardiovaskulärer Erkrankung. Derzeit sind in Deutschland sieben Sartane verfügbar, die sich vor allem hinsichtlich ihrer Halbwertszeiten und des Anteils der renalen Elimination unterscheiden.

Sartanen wird ebenso wie ACE-Hemmern eine Perfusionsstörung in fetalen Organen unterstellt, die zu Entwicklungsstörungen nach der Organogenese führen kann. Die Anwendung im zweiten und dritten Trimenon kann daher fetotoxische Wirkungen wie Nierenfunktionsstörungen, Oligohydramnion und Verlangsamung der Schädelossifikation nach sich ziehen und beim Neugeborenen zu Nierenversagen, Hypotonie und Hyperkaliämie führen. Die Einnahme von ACE-Hemmern und Sartanen wird im ersten Schwangerschaftstrimenon nicht empfohlen und ist im zweiten und dritten explizit kontraindiziert.

In der Datenbank des deutschen Spontanmeldesystems (gemeinsame Datenbank vom BfArM und AkdÄ, Stand: August 2010) sind insgesamt 2618 Verdachtsberichte unerwünschter Arzneimittelwirkungen von Sartanen erfasst. Davon beziehen sich 49 auf Schwangerschaft, Wochenbett und Perinatalzeit. Die in diesen Fällen am häufigsten genannten Reaktionen sind Frühgeburten, Oligohydramnion, fetale Wachstumsverzögerungen, Fehlgeburten sowie Störungen der Nierenfunktion.

Bei Frauen im gebärfähigen Alter mit Kinderwunsch, die eine antihypertensive Medikation benötigen, sollten vorzugsweise Arzneimittel verordnet werden, die auch während einer Schwangerschaft gefahrlos eingenommen werden können. Als Medikament der ersten Wahl zur Behandlung von Hypertonien während der Schwangerschaft gilt Methyldopa, wenn die Nebenwirkungen, in erster Linie die sehr häufige Sedierung, toleriert werden. Häufig angewendet wird auch Metoprolol. Als Mittel der zweiten Wahl kommt unter anderen Nifedipin infrage. Calciumantagonisten sollten jedoch im ersten Trimenon zurückhaltend verordnet werden.

Frauen im gebärfähigen Alter, die einen ACE-Hemmer oder ein Sartan einnehmen, sollten über die Risiken bei einer Schwangerschaft und die Notwendigkeit einer rechtzeitigen Umstellung der Medikation aufgeklärt werden.

Quelle: AkdÄ Drug Safety Mail 2010-121 der Arzneimittelkommission
der deutschen Ärzteschaft vom 15. Oktober 2010.


Dr. Carolina Kusnick


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