DAZ-TV-Interview mit Bernd Wegener

Innovationen auf Basis bewährter Wirkstoffe in Gefahr

Berlin - 25.08.2010, 16:43 Uhr


Der Bundesverband der pharmazeutischen Industrie (BPI) sieht Innovationen auf Basis bewährter Wirkstoffe – also etwa Indikationserweiterungen oder neue Darreichungsformen – in Gefahr, wenn es

Pharmazeutische Innovationen, die auf bewährte Wirkstoffe zurückgreifen, bieten Patienten oftmals beträchtlichen Zusatznutzen. So etwa, wenn statt einer zuvor erforderlichen Injektion nur noch eine Tablette eingenommen werden muss. Für pharmazeutische Unternehmen ist die Forschung an solchen Innovationen mit einem kalkulierbaren Entwicklungsrisiko verbunden – was gerade für den Mittelstand von Bedeutung ist. Doch durch die aktuellen Rahmenbedingungen und die Regelungen im AMNOG-Entwurf sieht der BPI diese Forschung immer schwieriger gemacht. Vor allem dann, wenn künftig nur noch solche Arzneimittel als Innovationen gelten sollen, die einen neuen Wirkstoff mit Alleinstellung in einer neuen Wirkstoffklasse bieten. "Dann kommen die berechtigten Anliegen derjenigen Bereiche, wo Nutzen für Patienten gestiftet wird durch die Entwicklung bewährter Wirkstoffe mit neuen Anwendungsformen  oder Anwendungsgebieten – beispielsweise für Kinder – unter die Räder", so Wegener.

Für Innovationen mit bewährten Wirkstoffen fordert der BPI daher unter anderem ein Substitutionsverbot. Zudem müsse der Unterlagenschutz verbessert, erstattungsrechtliche Anreize durch die Möglichkeit der Erstattung außerhalb des Festbetragssystems geschaffen und derartige Innovationen von der Aut-idem Substitution ausgeschlossen werden. "Wir wollen, dass für den Standort Deutschland und die mittelständische pharmazeutische Industrie die Kernkompetenzen der Weiterentwicklung bewährter Stoffe auch künftig erhalten bleiben, um auch im internationalen Umfeld konkurrenzfähig zu bleiben", so Wegener gegenüber DAZ-TV.

Die Chance, dass die Anliegen des BPI beim Gesetzgeber Gehör finden werden, schätzt Wegener gut ein. "Diese Regierung versucht mittelstandsorientiert zu sein", so der BPI-Vorsitzende. Enttäuscht ist er allerdings nach wie vor, dass sie sich nicht dazu durchringen konnte, die Rabattverträge abzuschaffen.

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Kirsten Sucker-Sket


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