Kontaktekzem

Rezeptor für Nickelallergien identifiziert

20.08.2010, 06:55 Uhr


Auf welche Weise Nickel eine Entzündung der Haut hervorruft, die einem sichtbaren Ekzem vorausgeht, haben jetzt Wissenschaftler der Universitäten Gießen, Mannheim, Freiburg

Nickel ist das häufigste Kontaktallergen. Allein in Europa reagieren nach aktuellen Schätzungen 65 Millionen Menschen allergisch auf dieses Metall, das in vielen Gegenständen des alltäglichen Lebens wie Modeschmuck, Uhren und Münzen enthalten ist.

Die Forscher konnten nun zeigen, dass Nickel in der Haut einen Rezeptor der so genannten "natürlichen Immunität" aktiviert und so intrazelluläre Signalübertragungswege in Gang setzt, die zur Bildung von entzündungsfördernden Botenstoffen führen. In der Folge wird das spezifische Immunsystem aktiviert und über Vermittlung von T-Lymphozyten entsteht ein Ekzem.

An der Reaktion ist der Toll-like receptor 4 (TLR4) beteiligt. Er wurde bereits 1998 entdeckt, war aber bislang nur als Erkennungsstruktur für bakterielle Lipopolysaccharide bekannt. TLR4 spielt eine Schlüsselrolle bei der Abwehr von Bakterien und verhindert durch Aktivierung des angeborenen Immunsystems bei Infektionen die übermäßige Vermehrung der Bakterien. Die Forscher beobachteten jetzt erstmals, dass Nickel seine entzündungsfördernden Eigenschaften beim Menschen zwar über TLR4 vermittelt, dass aber die Zielstruktur für Nickel sich von der der bakteriellen Lipopolysaccharide unterscheidet.

Diese Beobachtung könnte einen Durchbruch bei der Therapie der bislang nur schwer behandelbaren Nickelallergie bedeuten, da es prinzipiell möglich erscheint, spezifische TLR4-Hemmstoffe zu entwickeln, welche die Aktivierung des Rezeptors durch Nickel blockieren, ohne damit die wichtige natürliche Abwehrfunktion von TLR4 bei bakteriellen Infektionen zu beeinträchtigen.

Weiterführende Untersuchungen ergaben, dass nur humane TLR4-Rezeptoren, nicht aber solche aus der Maus, durch Nickel aktiviert werden, da dem entsprechenden Maus-Rezeptor die bindungsrelevanten Aminosäuren fehlen. Die Wissenschaftler vermuteten, dass dies eine Erklärung für die Beobachtung sein könnte, dass Mäuse keine Nickelallergien entwickeln und es bisher nicht gelungen ist, ein experimentelles Mausmodell für diese häufigste aller Kontaktallergien zu etablieren. Jetzt züchteten sie Mäuse, die anstelle des Maus-TLR4 den menschlichen TLR4-Rezeptor besitzen und eine allergische Reaktion auf Nickel entwickeln.

Quelle: Schmidt, M., et al.: Nature Immunology 2010 (im Druck); Online-Vorabpublikation: DOI:10.1038/ni1919.


Dr. Bettina Hellwig


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