Auslaufender Patentschutz

Experte: Preisrutsch für wichtige Arzneimittel steht bevor

Berlin - 16.08.2010, 10:34 Uhr


Weil in den nächsten Jahren der Patentschutz für mehrere wichtige Medikamente ausläuft, dürften die Preise für Arzneimittel laut Experteneinschätzung in den nächsten ein bis zwei Jahren

Die Generika-Präparate kosteten höchstens 30 Prozent des bisherigen Originals. Durch Rabattverträge mit Krankenkassen könnten die Preise für diese Arzneimittel sogar auf bis zu zehn Prozent des Originals gedrückt werden, sagte Neubauer. Betroffen seien unter anderem der Cholesterinsenker Lipitor von Pfizer und der Blutverdünner Plavix von Sanofi-Aventis. Beide Präparate erwirtschaften mehrere Milliarden Dollar Umsatz im Jahr.

Einer Studie der Managementberatung "Accenture"zufolge läuft bis 2015 sogar der Patentschutz von Präparaten im Wert von 130 Milliarden US-Dollar aus, wie aus einer Untersuchung hervorgeht. Neue Arzneien können diese Umsatzausfälle nach Einschätzung der Beraterfirma nicht wettmachen. "Bei vielen dieser Medikamente ist es auch unwahrscheinlich, dass sie ein Umsatzvolumen von mehr als einer Milliarde Dollar pro Jahr haben werden, womit die Ära der Blockbuster zu Ende geht", argumentieren die Experten.

Für einzelne Unternehmen bedeutet das Auslaufen des Patentschutzes besonders scharfe Umsatzrückgänge. So laufen der Studie zufolge beim britisch-schwedischen Arzneimittelhersteller AstraZeneca seit 2008 Patente von Präparaten aus, die zusammen etwa die Hälfte des Konzernumsatzes ausmachen. Diese Entwicklung werde bis 2013 anhalten.

Insgesamt nimmt der Anteil älterer Arzneimittel auf dem Weltpharmamarkt der Studie zufolge deutlich zu. So werde 2011 unter den weltweit bestverkauften 50 Arzneimitteln der Anteil von Präparaten, deren Patente in den nächsten zwei Jahren ablaufen oder bereits abgelaufen sind, bei rund 40 Prozent liegen. Noch 2007 habe dieser Anteil bei 15 Prozent gelegen und im Jahr 2002 waren der Studie zufolge unter den Top-50-Präparaten lediglich zwölf Prozent ältere Arzneien.


Lothar Klein