Individuelle Verblisterung

Rösler: Patienten müssen Vorteil haben

Hannover - 14.08.2010, 15:28 Uhr


Ist die individuelle Neuverblisterung von Arzneimitteln eine sinnvolle Hilfe für die Versorgung multimorbider chronisch Kranker - oder ein neuer Umweg? Diese Frage interessiert auch Gesundheitsminister Dr. Philipp Rösler. Die Apothekerkammer

Rösler machte deutlich, dass sich die demographische Entwicklung bei der Pflege noch stärker als in der Krankenversorgung auswirken werde. Die entscheidenden Fragen für Rösler sind: Wie gehen wir mit den zu Pflegenden um und wie kann man die Versorgung verbessern? Er verwies auf die heute schon hohe Belastung der Pflegekräfte und fragte, ob die Verblisterung diese Arbeit erleichtern kann oder zu neuen Problemen führt. Auf eine eigene Position legte er sich dabei nicht fest, er präsentierte sich eher als interessierter Beobachter. Der Gesetzgeber habe den Weg zur Verblisterung geschaffen. Nun sieht Rösler die Marktbeteiligten am Zug. Doch eine Bedingung machte der Minister sehr deutlich: „Am Ende müssen die Patienten einen echten Vorteil haben.“

Im Laufe der Veranstaltung wurde die Verblisterung aus verschiedenen Perspektiven betrachtet. Apotheker mit Erfahrungen aus Blisterzentren sehen die technischen Herausforderungen weitgehend gelöst. Doch wurden viele Bedenken vorgetragen. Insbesondere die Pflegenden befürchten eine Entfremdung von der Arzneimittelversorgung, sodass Medikationsfehler und unerwünschte Arzneimittelwirkungen schlechter erkannt werden könnten. Die erwarteten Einsparungen dürften hingegen in der Größenordnung der Kosten der Verblisterung liegen. Der Blick aus der Perspektive der Industrie zeigte, dass der Aufbau von Verblisterungsstrukturen letztlich den Weg zu einer ganz anderen Arzneimittelversorgung mit Bulkware, aber ohne Fertigarzneimittel und ohne Apotheken öffnen könnte. Im Laufe der Vorträge und Diskussionen wurde hingegen deutlich, dass die vielfach angeführten Vorteile der Verblisterung für das Arzneimittelmanagement eher durch das Engagement der Apotheker in der Betreuung, aber nicht durch den technischen Vorgang der Verblisterung ausgelöst werden. „Wenn wir nahe am Patienten sind, brauchen wir das Blistern nicht“, folgerte Dr. Martin Thomsen, Moderator der Veranstaltung und Geschäftsführer der Apothekerkammer Niedersachsen. Für Kammerpräsidentin Magdalene Linz ist die Kommunikation zu allen Partnern in der Versorgung wichtig, neben den Patienten selbst sind dies auch die Ärzte und das Pflegepersonal. Götz Schütte, Organisator der Veranstaltung und ehemaliges ABDA-Vorstandsmitglied, zog die Konsequenz: „Das Stellen bleibt beim Pflegepersonal unter fachkundiger Anleitung des Apothekers.“

Einen ausführlichen Bericht über das Symposium der Apothekerkammer Niedersachen finden Sie in der nächsten gedruckten Ausgabe der DAZ.


Dr. Thomas Müller-Bohn


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