Brustkrebs

Tumorprogression unter Tamoxifen und SSRI melden

Stuttgart - 07.07.2010, 12:25 Uhr


Jetzt empfiehlt auch das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM), Tamoxifen nicht zusammen mit den selektiven Serotonin-Reuptake-Inhibitoren (SSRI) Paroxetin und Fluoxetin

Hintergrund für die BfArM-Mitteilung ist das Ergebnis einer kürzlich publizierten Kohortenstudie, nach der Paroxetin die Wirkung von Tamoxifen herabsetzen und die Brustkrebssterblichkeit erhöhen kann. Dafür wird eine Hemmung des CYP-450-Enzyms CYP2D6 durch Paroxetin verantwortlich gemacht. Sie schränkt die CYP2D6-abhängige Umwandlung von Tamoxifen in seine aktiven Metaboliten ein und führt damit zu einem Wirkungsverlust von Tamoxifen. Um den Erfolg einer Tamoxifenbehandlung nicht zu gefährden, wurde daher empfohlen, auf Antidepressiva auszuweichen, die CYP2D6 gar nicht oder nur schwach inhibieren. Auch die Arzneimittelkommission der Deutschen Apotheker und die Deutsche Pharmazeutische Gesellschaft hatten geraten, auf die starken CYP2D6-Inhibitoren Paroxetin und Fluoxetin bei Tamoxifenbehandlung zu verzichten. Das BfArM hat nun die Datenlange zu Tamoxifen analysiert und kommt zu entsprechenden Empfehlungen.

Allerdings blickt das BfArM in seiner UAW-Datenbank nur auf 15 Meldungen zurück, in denen über Nebenwirkungen unter gleichzeitiger Einnahme von Tamoxifen und SSRI berichtet worden war. In keinem Fall sei über ein Tumorrezidiv oder eine Tumorprogression bis hin zum Versterben der Patientin berichtet worden, so das BfArM. Das wird damit erklärt, dass eine Tumorprogression oder ein Tumorrezidiv nicht unweigerlich auf eine Medikamenteneinnahme hinweisen. Deshalb bittet das BfArM um Meldung, wenn unter einer Tamoxifen- und zusätzlicher SSRI-Therapie ein Tumorrezidiv, eine Tumorprogression oder Metastasen aufgetreten sind oder eine Patientin aufgrund der Tumorerkrankung verstorben ist.

Hintergrundinformationen finden Sie in der aktuellen Ausgabe der Deutschen Apotheker Zeitung 26/2010, S. 33 - 34

 

Quelle: Pantke E, Hillen H: Erhöhte Brustkrebssterblichkeit nach gleichzeitiger Anwendung von Tamoxifen und SSRI. Bulletin zur Arzneimittelsicherheit. 2/2010 S. 3 - 6


Dr. Doris Uhl


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