Barmer GEK-Arzneimittel-Report 2010

Ja zur Preisregulierung, nein zur Mehrkostenreglung

09.06.2010, 13:39 Uhr


Vor allem neue Arzneimittel gegen rheumatitsche Arthritis und Multiple Sklerose treiben die Medikamentenkosten der Kassen nach oben. Bei der Barmer GEK führen sie die Top 20 der ausgabenstärksten Präparate an. Die Kasse freut sich daher auf die von der Regierung geplante Preisregulierung.

Die zu Jahresbeginn fusionierte Kasse führt den in den vergangenen neun Jahren etablierten GEK-Arzneimittelreport fort. Diesmal wurden weitgehend die Arzneimittelverordnungen beider Vorgängerkassen analysiert. Eines der wesentlichen Ergebnisse dürfte kaum überraschen: Abermals sind es die Spezialpräparate im Hochpreissegment, die für Ausgabendynamik sorgen. Von den rund 3,7 Mrd. Euro Arzneimittelkosten der Barmer GEK für 2009 entfallen rund 20 Prozent bzw. 700 Millionen Euro auf die Top 20-Präparate. Auf Platz 1 und 2 finden sich zwei innovative Rheumamittel (Humira, Enbrel) mit Ausgabensprüngen um 20 bis 25 Prozent gegenüber dem Vorjahr (Jahrestherapiekosten: 16.000 bis 24.000 Euro). Auf Platz 3 bis 5 liegen Präparate gegen Multiple Sklerose (Rebif, Copaxone, Avonex) mit einem Ausgabenanstieg um 12 bis 24 Prozent (durchschnittliche Jahrestherapiekosten von 40.000 Euro). Für das führende Krebsmittel Glivec, Platz 8 bei Barmer GEK, Platz 3 bei den Industrieumsätzen in Deutschland, wurde ein Ausgabenzuwachs von 17 Prozent verzeichnet (Jahrestherapiekosten zwischen 38.000 und 50.000 Euro).

Barmer GEK Vize-Chef Dr. Rolf-Ulrich Schlenker betonte, dass die Therapiefortschritte – etwa bei der rheumatoiden Arthritis – durchaus zu begrüßen seien. Dennoch sei eine Preisregulierung notwendig. Den von der Bundesregierung eingeschlagenen Weg zur Senkung der Arzneimittelausgaben hält Schlenker daher für „gut und richtig“. Insbesondere sei es richtig, dass der GKV-Spitzenverband zuförderst in Rabattverhandlungen mit den Herstellern tritt. „Ausgesprochen posititv“ sei es auch, dass der Entwurf für das Gesetz zur Neuordnung des Arzneimittelmarkts (AMNOG) vorsieht, dass in einem Schiedsverfahren – nach gescheiterten Verhandlungen –die Höhe des Abgabepreises in anderen europäischen Ländern zu berücksichtigen ist.

Auch wenn Schlenker viel Lob für das Sparpaket des Bundesgesundheitsministers übrig hat – ganz ohne Wermutstropfen ist es für ihn nicht: Insbesondere die Mehrkostenregelung behagt dem Kassen-Vize  ganz und gar nicht. Sie sei nicht nur „überflüssig“, sondern auch „schlecht und ungerecht“ – geradezu „Gift“ für Versicherte wie auch für die Kassen und das Rabattvertragssystem generell. Offenbar hat Schlenker Befürchtungen, Apotheken könnten Versicherte schlecht beraten und eher auf ihre eigenen wirtschaftlichen Interessen achten – schließlich gebe es keinen medizinischen Grund auf einem anderen Medikament zu beharren. Dafür müsse der Patient aber erst einmal den vollen Preis in der Apotheke bezahlen. Die Abwicklung der Kostenerstattung bedeute für die Kassen eine enorme Bürokratie. Zudem könnten sie beim Abschluss von Rabattverträgen keine Umsatzgarantien mehr geben, was den Herstellern missfallen könnte.

Angesichts des 2011 drohenden GKV-Defizits von 11 Mrd. Euro forderte Schlenker von der Bundesregierung weitere Sparbemühungen. So vermisst er im AMNOG-Entwurf derzeit noch eine Regelung zur Umstellung der Großhandelsvergütung. Hier sieht er ein Sparpotenzial von 400 Mio Euro. Zudem müssten die Apotheken ihren Beitrag leisten. Dazu sollte aus Sicht der Barmer GEK mindestens der bisher geltende Apothekenabschlag von 2,30 Euro beibehalten werden. „Da sollte der Gesetzgeber unbedingt was tun“, so Schlenker – 300 Mio. Euro könnte die GKV hierdurch sparen.


Kirsten Sucker-Sket


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