Opiate

Riskantes Entzugsprogramm

30.04.2010, 07:03 Uhr


Kinder, deren Mütter während der Schwangerschaft an einem Methadon-Ersatzprogramm teilgenommen hatten, scheinen gehäuft unter Sehstörungen zu leiden.

Das visuelle System reagiert vor der Geburt sehr empfindlich auf schädigende Einflüsse. Britische Mediziner berichten aktuell von auffälligen Störungen bei 20 Kindern, deren Mütter sich während der Schwangerschaft einer Substitutionstherapie mit Methadon unterzogen hatten. 95 Prozent der Kleinen litten unter verminderter Sehschärfe und bei 70 Prozent ließ sich ein so genannter Nystagmus diagnostizieren. Diese Erkrankung ist durch unkontrollierbar schnelle ruck- oder pendelartige Augenbewegungen gekennzeichnet und lässt sich auch unter dem Einfluss illegaler Drogen beobachten. Darüber hinaus zeigten 50 Prozent der Kinder eine verzögerte visuelle Reifung, etwa ein Drittel schielte und weitere 25 Prozent hatten zerebrale Sehstörungen. Ob allerdings das Methadon allein für diese Augenschäden verantwortlich ist, konnten die Forscher nicht belegen, da mehr als die Hälfte der untersuchten Schwangeren zusätzlich Benzodiazepine zu sich genommen hatten. 40 Prozent konsumierten gleichzeitig Heroin.

Quelle: Hamilton, R., Br. J. Ophthalmol., Online-Vorabpublikation, DOI: 10.1136/bjo.2009.169284


Franziska Wartenberg/DAZ


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