Arzneimittel-Spargesetz

Lauterbach: Mehrkostenregelung „selten dumm“

Berlin - 14.04.2010, 10:03 Uhr


Der SPD-Politiker Karl Lauterbach hält nichts von den Regierungsplänen für eine Mehrkostenregelung für Rabatt-Arzneimittel. „Eine solche Regelung wäre selten dumm und ginge tatsächlich

Sollten Versicherte andere als die von ihrer Kasse rabattierten Medikamente nachfragen dürfen, werde dies zu erheblichen Zusatzbelastungen der Patienten führen, so Lauterbach. Seine Begründung: Ärzte und Apotheken würden von den Pharmaherstellern mit gut dotierten Verträgen zu „Patientenberatung“ und „Anwendungsbeobachtung“ veranlasst, ihren Patienten teure Präparate anzuempfehlen, die die Kassen nicht voll ersetzten. Fraglich ist ohnehin, wie die Regierung die geplante Mehrkostenregelung umsetzen will, da die von den Herstellern an die Kassen gewährten Preisnachlässe bekanntlich geheim sind. Möglicherweise soll bereits Ende der Woche ein erster Referentenentwurf für das Arzneimittel-Spargesetz vorliegen – man darf also gespannt sein, welche Lösung sich das Bundesgesundheitsministerium hier ausgedacht hat.

Auch für die Kritik der forschenden Pharmaindustrie an den Plänen des Bundesgesundheitsministers hat Lauterbach kein Verständnis: „In kaum einer Branche wird so gut verdient wie im Pharmabereich. Da können die Unternehmen in Zeiten der Wirtschaftskrise und Lohneinbußen ohne weiteres ihren Beitrag leisten“, sagte er der „Frankfurter Rundschau“. Angesichts der breiten Marketingaktivitäten, die bis zu 30 Prozent des Gesamtumsatzes der Branche ausmachten, sei es „geradezu lächerlich, wenn wegen einer moderaten Erhöhung des Rabatts jetzt so getan wird, als stehe die Existenz der Hersteller auf dem Spiel“. Die Branche solle vielmehr „ihre Werbeetats abrüsten“.


Kirsten Sucker-Sket