Stellungnahme der AMK und der DPhG

„Tamoxifen nicht gleichzeitig mit Paroxetin und Fluoxetin einsetzen!“

03.03.2010, 17:24 Uhr


Tamoxifen kann bei Hormon-abhängigem Brustkrebs die Sterblichkeit senken. Doch das Antidepressivum Paroxetin kann die Wirksamkeit von Tamoxifen herabsetzen. Die fatale Folge:

Paroxetin ist ein irreversibler Hemmstoff des Cytochrom-P450-Isoenzyms CYP2D6. In dieser Eigenschaft verhindert es die Umwandlung von Tamoxifen in den aktiven Metaboliten Endoxifen. Schon seit langem besteht der Verdacht, dass CYP2D6-Inhibitoren die Wirksamkeit von Tamoxifen herabsetzen können, doch die klinische Relevanz ist in vielen Fällen unklar. Nach den Ergebnissen der im British Medical Journal veröffentlichten Kohortenstudie kommt es in fünf Jahren nach Tamoxifen-Therapieende zu einem zusätzlichen Todesfall bei 20 Brustkrebspatientinnen, wenn Paroxetin über einen Zeitraum von 41% der Tamoxifen-Behandlungsdauer eingesetzt wird . 

Die Arzneimittelkommission der Deutschen Apotheker (AMK) und die Deutsche Pharmazeutische Gesellschaft (DPhG) nehmen in der Stellung zu den Ergebnissen der Kohortenstudie. Sie kommen zu dem Schluss, dass für eine abschließende Bewertung von Interaktionen zwischen CYP2D6-Inhibitoren und Tamoxifen weitere Studien erforderlich sind. Trotzdem sollte bei Komedikation mit bekannten CYP2D6-Inhibitoren auch bei noch fehlender klinischer Evidenz eine relevante Interaktion zumindest in Betracht gezogen werden. Aus Sicherheitsgründen sollten unter Tamoxifentherapie nur Arzneistoffe mit geringer oder fehlender CYP2D6-inhibierender Wirkung eingesetzt werden. Ist ein Antidepressivum notwendig, sollte auf Paroxetin und Fluoxetin verzichtet werden. Als Alternativen werden Citalopram, Escitalopram und Venlafaxin genannt.


Dr. Doris Uhl