Ein bitteres Versteck

Mikrobiologie

03.03.2010, 07:01 Uhr


Schon länger wird beobachtet, dass Antibiotika bei manchen Typhus-Patienten kaum Wirkung zeigen. Amerikanische Wissenschaftler entdeckten jetzt eine mögliche Ursache

Bereits frühere Studien wiesen auf die schwierige Behandlung von Typhuserkrankungen hin, wenn der Patient gleichzeitig unter Gallensteinen litt. Vor allem ein hoher Cholesterinanteil in den festen Ablagerungen der Galle scheint den Erregern einen guten Schutz gegen das Immunsystem und antibiotische Wirkstoffe zu bieten. Im Tiermodell wollten amerikanische Forscher der Sache auf den Grund gehen und gaben zwei Gruppen von Mäusen unterschiedliche Nahrung zu fressen. Die einen erhielten normales Nagetier-Futter, die anderen dagegen eine Cholesterin- und Cholsäure-angereicherte Kost. Anschließend wurden alle Tiere mit Typhuserregern infiziert. Jene Mäuse mit der Cholesterin-haltigen Nahrung entwickelten vermehrt Gallensteine, auf denen sich zähe Biofilme von Salmonella enterica nachweisen ließen. Die Keime fanden sich zudem in der Gallenblase, der Galle und den Fäkalien der Tiere. Das schwer auffindbare "Versteck" bietet sich den Typhuserregern offenbar auch beim Menschen. Zahlreiche operativ entfernte Gallensteine von Patienten in mexikanischen Typhus-Gebieten waren bei den meisten infizierten Personen mit dem bakteriellen Biofilm überzogen. Selbst Antibiotika scheinen gegen diese Schutzschicht wirkungslos zu sein, so dass letztlich oft nur die Entfernung der Gallenblase als erfolgreiche Behandlungsstrategie bleibt. Die gramnegativen Bakterien aus der Familie der Enterobacteriaceae können hohes Fieber hervorrufen, das anfangs von Verstopfung, später von breiigen Durchfällen begleitet ist. Bewusstseinsstörungen, Leukopenien und Hautauschläge kommen häufig dazu. Unbehandelt kann die Erkrankung tödlich verlaufen.

Quelle: Crawford, R. et al.: PNAS, doi: 10.1073/pnas.1000862107


Franziska Wartenberg