Neuer Thrombozytenaggregationshemmer

Ticagrelor schützt besser als Clopidogrel

Davos - 11.02.2010, 10:40 Uhr


Ticagrelor (vorgesehener Handelsname Brilinta, AstraZeneca) ist eine neuer oraler Thrombozytenaggregationshemmer, der schneller und stärker wirkt als Clopidogrel.

Ticagrelor muss zweimal täglich eingenommen werden. Wie das Thienopyridin Clopidogrel blockiert auch das ATP-Analogon Ticagrelor ADP-Rezeptoren von Subtyp P2Y12 auf Thrombozyten. Ticagrelor wird wie Clopidogrel zur Hemmung der Thrombozytenaggregation nach einem Herzinfarkt oder einem Schlaganfall eingesetzt. Im Gegensatz zu Clopidogrel ist die Wirkung von Ticagrelor nach dem Absetzen rasch innerhalb von drei bis vier Tagen reversibel, was bei Blutungskomplikationen von Vorteil sein kann. Ein weiterer Vorteil von Ticagrelor: Es ist kein Prodrug und benötigt für seine Aktivierung keine Leberenzyme. Dadurch tritt die Wirkung schneller ein, und ist besonders zu Beginn auch stärker, vergleichbar mit der Wirkung von Prasugrel, das im April 2009 eingeführt wurde. Außerdem ist die Gefahr von Wirkungsschwankungen und Wechselwirkungen bei Ticagrelor geringer als bei Clopidogrel.

In der klinischen Studie PLATO (Platelet Inhibition and Patient Outcome) traten bei den mit Ticagrelor behandelten Patienten signifikant weniger kardiovaskuläre Todesfälle auf als unter der Clopidogrel-Therapie (9,8 vs. 11,7 %, p=0,4), auch Gesamtsterblichkeit, Herzinfarkte und Stentthrombosen waren geringer. An der Studie hatten insgesamt über 18.000 Patienten teilgenommen. Unter anderem erhielten sie neben der Standardtherapie entweder Ticagrelor (6732 Patienten, Anfangsdosis 180 mg, danach täglich 2 x 90 mg) oder Clopidogrel (6676 Patienten, Anfangsdosis 300 bis 600 mg, danach 75 mg täglich). Primärer Endpunkt war die Kombination von kardiovaskulärem Tod, Herzinfarkt und/oder Schlaganfall nach einem Jahr. In der Ticagrelor-Gruppe erlitten 9,0 % der Patienten einen primären Endpunkt, unter der Behandlung mit Clopidogrel betrug diese Rate 10,7 %, war also um 16% höher. Dabei war das Risiko für Blutungskomplikationen unter der Ticagrelor-Behandlung nicht signifikant höher als unter der Therapie mit Clopidogrel (11,6 vs. 11,2 %, p=0,4).

Nach diesen Daten kann Ticagrelor im Vergleich zu Clopidogrel bezogen auf ein Jahr Therapie und 1000 Patienten elf Todesfälle, 13 Herzinfarkte sowie sechs Stentthrombosen verhindern, und zwar ohne Zunahme an schweren Blutungen. Zu den unerwünschten Wirkungen von Ticagrelor gehören Dyspnoe und Bradykardie, die möglicherweise durch den Andenosinrezeptorantagonismus zustande kommen.

Quellen:
Dr. Dietmar Trenk, Bad Krozingen, Pharmacon Davos, 10. Februar 2010.
Wallentin, L., et al.: Ticagrelor versus clopidogrel in patients with acute coronary syndromes. N. Engl. J. Med. 2009; 362:1045-7.


Dr. Bettina Hellwig