Morbus Crohn und Reizdarm

Mastzellen: Wächter an der Darmbarriere

22.01.2010, 06:54 Uhr


Wie Mastzellen erkennen, ob Bakterien Gewinn oder Gefahr bedeuten, ist Ziel eines neuen Forschungsprojektes von Ernährungsmedizinern der Universität Hohenheim

Mastzellen entstehen im Knochenmark und befinden sich in der Haut und den Schleimhäuten. Am Auge, im Mund und in der Lunge wehren sie gefährliche Bakterien ab. Im Darm, wo Bakterien eine wichtige Rolle spielen, leben sie friedlich mit ihnen zusammen. Als Abwehrzellen haben Mastzellen spezielle Rezeptoren, die auf Bakterien ansprechen. Damit können sie einzelne Bakterien unterscheiden und die Immunabwehr in Gang setzen.

Anders jedoch im Darm - dem einzigen Platz im Körper, der dauernd mit Bakterien belegt ist. Die Bakterien bilden dort die Darmflora und sind für die Verdauung zuständig. Würden sich die Mastzellen im Darm genauso verhalten wie im restlichen Körper, nämlich sofort mit Immunabwehr zu reagieren, wäre das fatal.

Die speziellen Darmmastzellen befinden sich in der Darmbarriere - das ist die Stelle, an der die Nährstoffe aus dem Darm in das Innere des Körpers übergehen. Hier verhindern sie, dass Bakterien in den Körper eindringen. Die Darmmastzellen leben mit den Bakterien in friedlicher Koexistenz. Sie halten sie zwar in Schach und sorgen dafür, dass der Körper gesund bleibt. Sie reagieren aber viel schwächer auf die Bakterien als die Mastzellen im übrigen Körper.

Die Hohenheimer Forscher wollen jetzt herausfinden, warum sich die Darmmastzellen so verhalten. Es könnte sein, dass Darmmastzellen besondere Rezeptoren haben oder dass sie sich im Zellinneren durch bestimmte Moleküle von den übrigen Mastzellen unterscheiden. Eine andere Möglichkeit liegt in der Umgebung, in der die Darmmastzellen leben. Möglicherweise herrschen dort Bedingungen, welche die Immunreaktion dämpfen. Wahrscheinlich handelt es sich um eine Kombination beider Möglichkeiten.

Die Balance von Mastzellen und Bakterien im Darm ist die Voraussetzung, dass Probiotika, die lebendige Mikroorganismen enthalten, überhaupt wirken können. Dass solche Probiotika und Präbiotika die Verdauung regulieren und den Körper unterstützen können, ist unstrittig. Mit ihrer Forschung wollen die Hohenheimer zur Klärung beitragen, wie sie das tun.

Gleichzeitig könnten Krankheiten wie Morbus Crohn, eine chronische Entzündung des Darmtrakts, oder ein Reizdarm darin begründet sein, dass das natürliche Zusammenspiel von Mastzellen und Bakterien im Darm gestört ist. So zeigten Untersuchungen an Kranken, die unter Morbus Crohn leiden, dass daran bestimmte Bakterien beteiligt sind. Das gilt auch für den Reizdarm.

Das Verständnis, welche Vorgänge in der Darmbarriere ablaufen, könnte einen Schlüssel dafür liefern, bestimmte lebenslange Darmerkrankungen zu heilen. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft fördert das Grundlagenprojekt mit 250.000 Euro.

Quelle: Pressemitteilung der Universität Hohenheim, 15. Januar 2010.


Dr. Bettina Hellwig